Unregelmäßiges Blitzen bringt kaum Verbesserung

Kieslaster rollen im Minutentakt: Wischers Anwohner genervt

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Direkt vor Wilfried Raups Haus donnern tonnenschwere Lkws durch Wischer. Nur selten halten sich die Fahrer an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer.

Wischer. Quietschende Reifen und die Urgewalt tonnenschwerer Fahrzeuge machen den Bewohnern von Wischer seit etwa zwei Jahren zu schaffen. Nach dem Hochwasser im Juni 2013 werden seit Herbst desselben Jahres gebrochene Elb-Dämme wieder neu aufgebaut.

Seitdem rasen noch mehr Lkws mit dem Kies aus dem örtlichen Werk mitten durch die Ortschaft. „Morgens um 6 Uhr geht es los, da kann man den Wecker danach stellen“, sagt Wilfried Raup aus Wischer. Und das hat sich bis zum heutigen Tag auch nicht grundlegend geändert. Es wurde sogar zusätzlich Split auf der Straße aufgebracht, damit die Kieslaster noch besser durchs Dorf kommen.

In den vergangenen Jahren ist an vielen Deichen gebaut worden, so etwa bei Klietz, Fischbeck und Hohengöhren. Während am Anfang viel Solidarität mit den Flutopfern zu spüren war, hoffen vor allem die Anwohner an der K 1041 in Wischer jetzt, dass die Arbeiten an den Deichen möglichst schnell fertig werden.

Am Kieswerk in Wischer fahren Lkws im Minutentakt ab. Beladen sind sie mit knapp 30 Tonnen.

Einige Anwohner machten ihren Unmut auch öffentlich deutlich. So hat sich Raup beim Gemeinderat über die Häufigkeit der Transporte und über die Fahrweise mancher Trucker beschwert. Auch beim Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde, Karsten Rottstädt, hatte er vorgesprochen und erreicht, dass über Ordnungsamt und Polizei häufiger Verkehrskontrollen umgesetzt wurden. „Mir würde es schon reichen, wenn die Lkw-Fahrer vernünftig fahren und sich an die Beschränkung auf Tempo 30 halten würden“, sagt Raup. Laut Auskünften der Polizei sei es aber nicht einfach, in der kurvigen Tempo-30-Zone die Sünder wirklich zur Verantwortung zu ziehen.

„Unsere Fahrer beachten die Straßenverkehrsordnung. Das schließt Gewichtsbegrenzung und Geschwindigkeit mit ein“, sagt Steffen Stappenbeck, Leiter des Kieswerks in Wischer. Bei ihm auf dem Tisch seien lange keine Bußgelder mehr gelandet und wenn, so müssten die Fahrer diese selbst begleichen.

Eine andere Sprache spricht da unter anderem die Verkehrsinsel in Hassel. Unachtsame Fahrweise zeigt sich ganz deutlich an der Verkehrsinsel, die immer wieder überfahren wird.

Raup glaubt sogar, dass in einigen Nachbarorten weniger Verkehr sei. Dem widerspricht Stappenbeck auch nicht, aber man fahre aus wirtschaftlichen Gründen immer den kürzesten Weg. „Irgendwo müssen wir ja langfahren, wir können ja nicht fliegen – es ist da kein böser Wille dabei“, so Stappenbeck.

Für einen Deichabschnitt würden zwischen 50 000 und 80  000 Tonnen an spezifischen Materialien aus dem Kieswerk benötigt. Wenn man da fünf Kilometer weniger fahre, das rechne sich, betont Stappenbeck. Die schiere Masse erkläre außerdem die hohe Taktrate. Auf einen Lkw passen schließlich nur rund 27 Tonnen.

Von Ronny Kauerhof

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