Rathaus lässt mehr Bäume pflanzen als fällen / Fast 19 000 Stück im Bestand

Kettensäge kreischt 97-mal: Eine Hansestadt sieht grün

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Der älteste bekannte Baum in Stendal und Umgebung ist diese Eiche. Sie ist fast 200 Jahre alt. Es existiert sogar eine historische Aufnahme vom Dom, auf der sie zu sehen sein soll.

Stendal. „Stendal ist eine grüne Stadt“, schwärmt Klaus Ortmann. Wenn die Blätter in einigen Wochen wieder sprießen werden, könne sich ein jeder insbesondere vom Tangermünder Tor aus eindrucksvoll davon überzeugen.

Im Kataster der Einheitsgemeinde sind gut 18 900 Bäume aufgelistet. Der Großteil steht in der Kernstadt, in den kleineren Ortschaften sind es circa 5000 Exemplare. Hinzu kommen noch ungefähr 1500 unregistrierte Bäume, die sich außerhalb der Orte befinden. „Dabei handelt es sich unter anderem um Obstbäume und Wildwuchs an Feldern“, erläutert der Stadtsprecher.

Wenn Bäume fallen, droht mitunter Streit

Fallen Bäume der Kettensäge zum Opfer, sorgt das immer für Aufsehen, mitunter auch für Ärger und Streit. Als beispielsweise der Altbestand an der Stendaler Bahnhofstraße im Zuge von Bauarbeiten beseitigt wurde, führte das zu heftigen Diskussionen. Das Programm für dieses Jahr sieht laut Ortmann insgesamt 97 Fällungen vor, 58 sind bereits erledigt. In der Regel sind die Bäume krank, altersschwach oder durch einen Sturm beschädigt. Um Verletzungen bei Menschen und Sachschäden zu verhindern, müssen sie weg. Hier nicht erfasst sind Baumfällungen im privaten Bereich und jene im Zusammenhang mit Bauarbeiten an Straßen.

112 neue Exemplare allein in diesem Jahr

Ist ein Baum verschwunden, wird in der Regel Ersatz gepflanzt, oft auch am selben Standort. In der Kernstadt werden dieses Jahr 83 junge Bäumen gesetzt. Der Plan für 2016 sieht Arbeiten am Haferbreiter Weg, Wasserturm, Stadtsee, Seestraße, Blumenthalstraße, Bahnhofstraße, Osterburger Straße, Schadewachten, Uchtewall, Tangermünder Chaussee und entlang der Bahnstrecke Stendal – Tangermünde vor. In Vollenschier, Volgfelde, Möringen, Heeren, Dahrenstedt, Groß Schwechten und Uenglingen sollen zum Jahresende insgesamt 29 Bäume neu gepflanzt worden sein, vor allem Pappeln, Linde und Robinie. „Wir lassen dieses Jahr unterm Strich 112 Bäume nachpflanzen, das sind sogar mehr als gefällt werden. Auch das belegt doch, wie wichtig uns ein grünes Stendal ist“, sagt Ortmann im Gespräch mit der AZ.

Dominante Linde lässt auch Platz für Exoten

Die Linde kommt in der Einheitsgemeinde am häufigsten vor. Im Kataster sind Stadtsprecher Ortmann zufolge circa 4000 Stück aufgelistet. Es folgen Ahorn mit 2200 Exemplaren und Eiche mit 1000. Der älteste bekannte Baum in Stendal und Umgebung ist die Eiche vor dem Dom. Sie ist an die 190 Jahre alt, ein Methusalem, und hat dem wanderfreudigen Eichen-Prozessionsspinner bislang widerstanden. Ähnlich alt sind eine Buche an der Weberstraße und zwei Eichen am Winckelmannplatz. Ein wahrer Exot steht mit dem Mammutbaum nahe dem Schwanenteich. Der Tulpenbaum am Mönchskirchhof erfreut alljährlich mit seinen Blüten. Ginkgos wachsen am Landgericht, am Wernerplatz und im Tiergarten. Maulbeerbäume treiben ihre Wurzeln am Stadtsee und in Staats in die Erde. Esskastanien gibt es in Nahrstedt, am Stendaler Stadtsee und an der Heinrichstraße. Und ein Schnurbaum wächst seit 2002 im Stadtteilpark.

Von Marco Hertzfeld

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