Ab Oktober bis zu 200 neue Asylsuchende pro Monat / Landkreis mietet Wohnungen an

Keine Zeltstädte in Stendal geplant

+
Die Gemeinschaftsunterkunft ist mit 449 Asylbewerbern voll belegt. Der Landkreis muss Wohnungen anmieten.

Stendal. „Die Zahlen sind ab Juli drastisch gestiegen. Mehr, als wir erwartet haben“, so Landrat Carsten Wulfänger zu der aktuellen Situation der Asylbewerber und Flüchtlinge in der Rolandstadt. „Im Moment geht es darum, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten.“ 

Auch im kommenden Jahr werde keine Verringerung des Flüchtlingsstroms erwartet.

Ab Oktober 2015 rechnet Wulfänger mit bis zu 200 neuen Asylsuchenden pro Monat, zu Beginn des Jahres ging der Landkreis noch von durchschnittlich 50 Neuzugängen im Monat aus. Diese benötigen eine angemessene Unterbringung, also eine baulich abgeschlossene Wohnung. „Wir haben nicht vor, Zeltstädte in Stendal zu errichten“, stellt der Landrat klar.

Aktuell leben 846 Asylbewerber im Landkreis Stendal. Davon sind 449 in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg untergebracht. „Die Unterkunft ist damit voll“, sagt Wulfänger. Zwar gebe es theoretisch 480 Wohnplätze, aber „wenn eine vierköpfige Familie in eine Wohnung für fünf Personen zieht, kann dort nicht noch eine Einzelperson mit einziehen.“ Zum Teil seien für mehrköpfige Familien keine genau passenden Wohnungen frei. Weitere 393 Flüchtlinge leben in Wohnungen, die übrigen vier Personen sind im Kreisgebiet untergebracht.

Daher plant der Landkreis auch künftig, „massiv Wohnungen anzumieten“. So können Flüchtlinge ab dem 1. Oktober diesen Jahres eine Wohnanlage am Akazienweg beziehen, dort werden 60 Wohnplätze geschaffen. Wulfänger rechnet „im nächsten Jahr mit gleich hohen Zahlen.“ Die Mietkosten trägt der Landkreis. Es würden ausschließlich Wohnungen entsprechend der SGB-II-Tabelle zur Verfügung gestellt. Eine entsprechende Rücklage für Kosten dieser Art sind im Kreishaushalt nicht eingeplant. „Diese Größenordnung konnten wir nicht vorhersehen, als der Kreistag den Haushalt zu Beginn des Jahres beschlossen hat“, informiert der CDU-Landrat.

Von den 846 Asylsuchenden seien etwa 350 Menschen jünger als 18 Jahre. „Eine tägliche Beschulung der Minderjährigen ist nicht mehr möglich. Dies wird nur an bestimmten Stichtagen stattfinden“, sagt der Landrat. Wie die Schulklassen zusammengesetzt werden und wie Deutschkurse organisiert werden, sei momentan noch ungewiß. Für die gesundheitliche Versorgung werde seitens des Landkreises gesorgt. Alle Kinder erhalten ein Impfangebot und einmal pro Woche eine medizinische Sprechstunde.

Von Mike Höpfner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare