Vorwürfe der Folter zu weiten Teilen bestätigt / Berufung des 26-jährigen Angeklagten scheitert

Keine Milde bei „entsetzlicher Tat“

Stendal / Salzwedel. „Die Tat ist absolut entsetzlich“, so beschrieb die vorsitzende Richterin Gudrun Gießelmann-Goetze gestern zu Beginn der Berufungsverhandlung die Taten, für die der 26-jährige Angeklagte René G. bereits im März verurteilt worden war.

Gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung lautete im Frühjahr vor dem Amtsgericht in Salzwedel die Anklage. Ein Jahr und drei Monate ohne Bewährung hielten Richter und Staatsanwaltschaft aufgrund des Vorstrafenregisters des René G. für angemessen. Gemeinsam mit drei Mittätern habe er das Opfer Oleg G. unter einem Vorwand mit dem Auto nach Dähre gefahren, wo der Geschädigte direkt nach dem Aussteigen einen Tritt in den Rücken bekam und zu Boden ging.

Anschließend begann für Oleg G. ein Martyrium, dass sich so, wie es die Richterin geschildert und von René G. weitestgehend bestätigt wurde, kaum vorstellen lässt. Faustschläge und Tritte habe das Opfer zunächst von allen vier Tätern erdulden müssen. Dabei sei er, auch vom Angeklagten, mit einem Messer bedroht worden. Sie sollen den jungen Geschädigten gezwungen haben, Zigarettenstummel zu essen. Der perfide Höhepunkt: Oleg G. habe mit einem Spaten sein eigenes Grab ausheben sollen. René G. räumte vor Gericht ein, er habe dem Opfer den Spaten zugeworfen, sich aber sonst nicht an den Greueltaten beteiligt. „Letztendlich ist das, was Sie getan haben, Folter“, erklärte Gießelmann-Goetze dem Angeklagten. Trotz seiner Absicht, reinen Tisch machen und die Umstände klären zu wollen, bewährte sich schnell das Sprichwort: „Mitgefangen, mitgehangen!“ An einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung tragen alle Beteiligten gleichsam die Schuld, so die Vorsitzende. Daher gäbe es auch wenig Aussicht auf Strafmilderung.

René G. und sein Verteidiger Dietmar Sommer berieten sich kurz und nahmen dann die Berufung zurück. René G., dem in der ganzen Verhandlung keine Reue anzumerken war, nahm die Entscheidung sichtbar verärgert auf. Er unterbrach Richterin Gießelmann-Goetze in ihren abschließenden Äußerungen mit der Bitte „endlich gehen zu dürfen“. Auf dem Weg zur Tür wiederholte er in Richtung der Vorsitzenden mehrmals den Satz „Wir sehen uns wieder.“ Gießelmann-Goetze antwortete lapidar: „Hoffentlich nicht.“

Von Mike Höpfner

Rubriklistenbild: © dpa

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