Klinik bildet ab September Hebammen aus

Keine leichte Geburt: Personal fehlt im Stendaler Johanniter-Krankenhaus

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Die Auszubildenden des Johanniter-Krankenhauses können sich praktische Erfahrungen auf verschiedenen Stationen aneignen, darunter auch im Kreißsaal.

Stendal – Eine Hebamme darf den wohl schönsten Moment werdender Eltern miterleben. Nämlich jener, in dem die frischgebackene Mutter das Neugeborene zum ersten Mal in den Armen hält und alle Strapazen der letzten Stunden vergessen kann.

„Das ist auch für uns immer wieder etwas ganz Besonderes“, erzählt Petra Kulla, Leitende Hebamme am Johanniter-Krankenhaus Stendal.

Doch wie in so vielen Bereichen fehlt auch in der Geburtshilfe der Nachwuchs. Zwölf Hebammen sind in der Stendaler Klinik tätig, der Großteil älter als 50, einige auch schon über 60. Wird kein Ersatz gefunden, wenn diese altersbedingt ausscheiden, stehen die Johanniter vor einem großen Problem. Deshalb nehmen sie ihr Schicksal nun selbst in die Hand: „Ab September bilden wir am Stendaler Standort zwei Hebammen aus“, freut sich Beate Wogawa.

Petra Kulla, Leitende Hebamme

Die Pflegedienstleiterin konnte eine Kooperation mit der Universität Leipzig erwirken. Während der theoretische Teil in Blockunterricht in der sächsischen Großstadt vermittelt wird, finden alle Praxisphasen in Stendal statt. Für die zweijährige Ausbildung zum Geburtshelfer gibt es monatlich 1000 Euro Entgelt. Gesucht werden vorrangig junge, engagierte Menschen, die gerne in der Region bleiben möchten. Kulla hat selbst ihre Ausbildung in Stendal absolviert und weiß um die emotionale Bindung zum Ausbildungsort.

Pflegedienstleiterin Wogawa sieht durch die Kooperation mit der Leipziger Universität eine Menge Potenzial. Sie erhofft sich „frischen Wind“, sowohl in Form von Mitarbeitern als auch neusten Forschungsergebnissen. „Wir arbeiten hier schon auf dem aktuellen Stand, aber schaden kann das sicher nicht“, schmunzelt sie. Geschäftsführer Dr. Thomas Krössin ist überzeugt, das Johanniter-Krankenhaus sei „das babyfreundliche Krankenhaus der Altmark“. Höchste Priorität habe stets die Sicherheit von Frau und Kind, sagt er gegenüber der AZ.

Aufstocken muss die Klinik ihr Personal nicht, um die Auszubildenden betreuen zu können. Denn erst im vergangenen Jahr wurde das Team im Kreißsaal und der Entbindungsstation erweitert.

Etwa zweimal täglich leiten die Hebammen des Johanniter-Krankenhauses Geburten ein, rund 750 Kinder erblicken hier pro Jahr das Licht der Welt. In der Zeit vom Beginn der Schwangerschaft an bis hin zur Entbindung baue man eine Bindung zu den werdenden Eltern auf, erzählt Kulla. „Eine unserer Herausforderungen ist es, in jeder Phase der Geburt genau das zu finden, was dem Paar gut tut“, sagt Kulla.

Übrigens: Das männliche Pendant zur Hebamme nennt man Entbindungspfleger. In Deutschland gibt es nur wenig Männer, die diesen Beruf ausüben. Denn viele schwangere Frauen wünschen sich für die Geburt ihres Kindes eine Hebamme an ihre Seite, spricht Kulla aus Erfahrung. Auch im Johanniter-Krankenhaus wird der Beruf nur von Frauen ausgeübt.

Wer an der Ausbildung zum Geburtshelfer interessiert ist, kann sich per E-Mail an Beate.Wogawa@jksdl.de wenden. Um Unsicherheiten auszuräumen, kann vor Ausbildungsbeginn auch ein Praktikum absolviert werden.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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