Keine falsche Scham bei Problemen

Kreiselternrat Stendal: Kinder bei Homeschooling in den Vordergrund stellen 

Deutschland, Symbolfoto, ein Grundschüler sitzt Vormittags allein im Wohnzimmer und lernt.
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Die Präsenzpflicht ist seit gestern ausgesetzt. Bei Bedarf können Schüler damit dem Unterricht fernbleiben – eine Einzelbetreuung ist jedoch nicht garantiert.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Seit Donnerstag, 26. November, können Kinder in Sachsen-Anhalt von der Schulpflicht befreit werden. Gibt es danach Schwierigkeiten ist oft die Scham zu groß, um nach Hilfe zu fragen.

Stendal – Zum Schutz von Risikogruppen ist es Schülern seit gestern möglich von der Präsenzpflicht befreit zu werden. Überraschend kam dieser Schritt nicht, erklärt Kreiselternratsvorsitzende Dorothee Schulz auf AZ-Nachfrage. „Die Diskussion, ob die Präsenzpflicht aufgehoben wird, die ging schon eine ganze Weile“, stellt Schulz fest. Auch wenn sich beispielsweise der Landeselternrat recht zügig in diese Richtung positioniert habe, sei die Umsetzung dann doch schneller als erwartet gekommen.

Im Vordergrund habe nach dem eigenen Erfahrungsbereich der Vorsitzenden die Sorge um Risikogruppen gestanden. Die erhöhten Fallzahlen seien auch ein Faktor gewesen, aber der Schutz von Kindern oder deren Angehörigen mit erhöhtem Risiko seien der dringendere Punkt gewesen. Optimal sei die Regelung dabei nicht, wie auch die Landesregierung feststellt: „Weiterhin gilt der Präsenzbetrieb als bevorzugte Form des Unterrichts“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung. Denn eine Einzelfallbetreuung könne kaum geleistet werden. Dennoch bedeute das nicht, dass Eltern auf sich gestellt seien, wenn es Probleme im Homeschooling gibt. „Ich hoffe, dass es da mittlerweile ein Vertrauensverhältnis gibt“, sagt die Kreiselternratsvorsitzende. Schulen hätten sich überwiegend mit Kontaktmöglichkeiten neu aufgestellt, die allerdings nicht immer umfassend genutzt würden. Oft gebe es eine falsche Scham, sich bei Problemen an die Schule zu wenden. Genau das sollte jedoch gemacht werden. Eine Argumentation, dass jemand selbst schuld sei, wenn die Befreiung von der Präsenzpflicht beantragt wurde, könne sie nicht stehen lassen. Schulen könnten schließlich nur dann helfen, wenn sie von den Problemen wissen. „Das ist natürlich ein Wunsch meinerseits, dass die Eltern von dieser Möglichkeit Gebrauch machen“, erklärt Schulz. Es wäre schön, wenn die Kinder einmal während der Pandemie im Vordergrund stünden.

Betrüblicherweise sei das in den vergangenen Monaten weniger der Fall gewesen. Zwar gebe es Bestrebungen, mit Co2-Ampeln und Zeitschaltuhren für gute Durchlüftung im Klassenzimmer zu sorgen, aber viele Anschaffungen von Belüftungsanlagen habe es nicht gegeben. Zwar gebe es mit den anderen Mitteln ein gewisses Maß an Sicherheit, aber wenn Eltern ihre Kinder mit zusätzlichen Jacken und Decken in die Schule schicken, hinterlasse das einen komischen Beigeschmack.

„Das Aussetzen der Präsenzpflicht heißt nicht per se, dass Fernunterricht oder Schulschließungen bevorstehen“, erklärt Schulz. Diese Option sollte nur in Ausnahmefällen genutzt werden. Stattdessen sollte lieber gemeinsames Lernen ermöglicht werden. Auch für Schüler sei die Impfung mittlerweile, zumindest in einigen Altersstufen, eine Option. Wer deswegen noch skeptisch sei, könne sich ja zumindest beraten lassen und dann eine Abwägung treffen, appelliert Schulz an bislang Ungeimpfte.

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