Keine Anträge auf Neuzulassung / Ärzte nennen Infrastruktur als Grund gegen Niederlassung

Eine halbe Stelle nicht besetzt

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Eine halbe Stelle im Bereich der Nervenärzte ist nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts im Landkreis Stendal nicht besetzt. Anträge auf eine neue Niederlassung liegen derzeit jedoch nicht vor.

Stendal/Landkreis. Schuh- und Bekleidungsgeschäfte, Bäckereien und Cafés: Geht man durch Stendals Innenstadt, dann scheint man in der Kreisstadt auf den ersten Blick bei allem was man sucht auch schnell fündig zu werden.

Schwieriger wird es da schon auf der Suche nach einem Facharzt, speziell im Bereich der Neurologie. Einzig im medizinischen Versorgungszentrum der SALUS gGmbH am Markt praktizieren ein Facharzt für Nervenheilkunde und eine Neurologin.

Zu wenig? Laut Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KV) ist die Zahl der Versorgungsaufträge im Bereich der Gruppe der Nervenärzte, in der die KV Neurologen, Psychiater sowie Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zusammenfast, in etwa gleich geblieben. Auf sieben beziffert die KV aktuell die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die auf dem Gebiet im Landkreis praktizieren, zum Beispiel in Osterburg und Havelberg. Lediglich eine halbe Stelle ist laut KV-Bedarfsplanung nicht besetzt.

„Generell werden von Ärzten, unabhängig von der Fachgruppe und unabhängig vom Landkreis, gegen eine Tätigkeit in ländlichen Gebieten infrastrukturelle Gründe genannt“, heißt es seitens der Vereinigung weiter. Die KV selbst versucht mit eigenen Maßnahmen sowie mit verschiedenen Projekten in Kooperation mit dem Land Sachsen-Anhalt und den Krankenkassen gegen den Ärztemangel vorzugehen. Als problematisch hat sich erwiesen, dass die finanziellen Mittel für die ambulante Versorgung nicht dem medizinisch notwendigen Versorgungsbedarf der Bevölkerung entsprechen. „Wird dann endlich ein günstiger Beschluss für die Versorgung getroffen, wie durch das Schiedsamt Sachsen-Anhalt im Dezember 2012, wenden sich die Krankenkassen gerichtlich dagegen und der Ausgang ist nun offen.“ Dies könne junge Ärzte verunsichern und von der ambulanten Tätigkeit abhalten, meint die KV. Sollte ein Arzt Interesse an einer Niederlassung im Landkreis haben, so steht es im frei, wo er dies im Kreis tut, vorausgesetzt, die Zulassung durch die KV wurde vorab erteilt. Die KV könne zum Standort lediglich Empfehlungen geben, die keine rechtliche Bindung besitzen.

Zur generellen Facharztsituation sagt die Kassenärztliche Vereinigung, dass in den Bereichen Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, Kinderärzte und Urologen der Versorgungsgrad im Landkreis derzeit bei über 110 Prozent liegt und damit keine neuen Zulassungen möglich sind. Bei HNO-Ärzten, Haut- und Nervenärzten sowie Orthopäden, Psychotherapeuten und Hausärzten liegt der Grad der Versorgung nach KV-Angaben hingegen unter der 110 Prozent Grenze, weitere Niederlassungen wären also möglich.

Derzeit liegen der KV allerdings keine Anfragen für die Niederlassung eines Nervenarztes vor.

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