„Keine Albträume mehr“

Alkoholiker auf dem Weg zurück: Ex-Berufskraftfahrer gründet Gruppe

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Renato Wachtel ist seit vier Wochen „trocken“. Seine neue Partnerin Silke Fricke unterstützt ihn. Auch Bärbel Riep von der Selbsthilfegruppen-Kontaktstelle steht dem 51-Jährigen zur Seite.

pm Stendal. „Mein sehnlichster Wunsch ist es, dass ich zur Ruhe komme und meine Alpträume nachlassen. Ich möchte mit Hilfe meiner Partnerin harmonisch zusammenleben.

Ich will ehemaligen Arbeitskollegen und Bekannten wieder in die Augen sehen können und ich will psychisch stark bleiben, um meiner Sucht – dem Alkohol – für den Rest meines Lebens zu widerstehen“, schildert Renato Wachtel. Der Mann aus einem Dorf im Landkreis hat seine Partnerin an seiner Seite, als er Stendals Selbsthilfegruppen-Koordinatorin Bärbel Riep sichtlich emotional aufgewühlt ein Versprechen macht.

Der 51-Jährige erzählt, wie seine Sucht ihren Beginn nahm – mit einer Alkoholvergiftung am Tag seiner Jugendweihe. Das war 1978. Seitdem bestimmte der Rausch sein Leben, täglich und über Jahre. Unter seiner Sucht litten nicht nur die Ehefrau und seine zwei Kinder, sondern auch die Kontakte zu seinen Arbeitskollegen. Da der Alkohol nicht vereinbar mit seiner Tätigkeit als Berufskraftfahrer ist und er dadurch schon drei Unfälle – mit viel Glück ohne Personenschaden – verursacht hatte, ist ihm fristlos gekündigt worden. Und auch der Führerschein ist nun weg.

Selbst zwischen Wachtels sportlichen Aktivitäten als Fußballer erfolgte immer wieder der Griff zur Flasche. Solange, bis ein Freund die Initiative ergriff und den Altmärker zur Therapie überredete. Stationäre Aufenthalte brachte Wachtel von 2006 bis 2013 Jahr für Jahr in verschiedensten Einrichtungen hinter sich.

Stendal, Magdeburg, Uchtspringe, Jerichow und Elbingerode waren die Orte der Kliniken und Stationen. „Als ich vor zirka eineinhalb Jahren meine neue Partnerin kennenlernte, war sie für mich sofort eine Stütze, mit der ich alle Probleme besprechen kann. So bin ich froh, dass ich seit zirka vier Wochen „trocken“ bin und den Entschluss gefasst habe, vom Alkohol die Finger zu lassen. Ich kann froh sein, dass durch die Sucht offenbar noch keine Organe geschädigt wurden“, erzählte Wachtel in beeindruckender Offenheit. „Meine Erfahrungen mit der Suchtkrankheit und den Therapie-Angeboten möchte ich in einer Selbsthilfegruppe an andere Betroffene weitergeben, denn ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man die Sucht nur in der Gruppe bekämpfen kann.“ Allerdings müsse dabei ganz klar die Entscheidung „Willst du oder willst du nicht“ im Mittelpunkt stehen, rät der 51-Jährige. Wer sich der neuen Stendaler Selbsthilfegruppe „Alkohol“ anschließen möchte, der kann sich telefonisch unter der Handynummer (0151) 16 266 744 melden. Auch die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im Haus des Paritätischen an der Osterburger Straße hilft bei Bedarf weiter. Ansprechpartnerin ist Bärbel Riep.

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