Vize-Landrat Lötsch will sein CDU-Parteibuch kleinhalten

„Es ist kein Staatsgeheimnis“

Das Spitzentrio: Thomas Lötsch (Mi., CDU) bei seinem Amtsantritt in Stendal. Links steht Sebastian Stoll (ebenfalls CDU), rechts Patrick Puhlmann (SPD).
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Das Spitzentrio: Thomas Lötsch (Mi., CDU) bei seinem Amtsantritt in Stendal. Links steht Sebastian Stoll (ebenfalls CDU), rechts Patrick Puhlmann (SPD).

Stendal – Rechts, Mitte, links. Schwarz, gelb, rot. Autoritär, staatstragend, libertär.

Während Journalisten hinter allen möglichen Politikern und politischen Funktionsträgern gern in Klammern deren Partei oder Wählergemeinschaft setzen, findet sich hinter seinem Namen ein größeres Leerzeichen.

Thomas Lötsch will sich einfach nicht einordnen und festnageln lassen, mindestens nicht vordergründig. Als die CDU selbst kürzlich im Internet von einem Parteitreffen in Tangerhütte berichtete, gab es einen Fingerzeig. „Ob ich Mitglied der CDU bin? Ja und nein“, reagiert der neue Zweite Beigeordnete des Landkreises auf Nachfrage der AZ ziemlich gelassen. „Ich habe ein CDU-Parteibuch. Wenn mich danach jemand fragt, dann sage ich das auch. Es ist kein Staatsgeheimnis. “.

An die große Glocke gehängt hat es der Vize-Landrat aber auch nicht. „Ob ich in einer bestimmten Partei bin oder nicht, sollte keine Rolle spielen. Das habe ich schon bei meiner vorherigen Tätigkeit in Cuxhaven so gehalten und das möchte ich auch unbedingt beibehalten.“

Lötsch wurde am 2. April vom Kreistag mehrheitlich gewählt, größere Hoffnungen ruhen auf ihn gerade dann, wenn es um die Wirtschaftsförderung geht. „In einer Kommunalverwaltung und in einem Landkreis muss es doch um die besten Argumente gehen, und die können aus allen Richtungen kommen.“ Dass er nach wie vor in seinem angestammten CDU-Kreisverband Mitglied sei und es ihn derzeit auch nicht in einen altmärkischen ziehe, möge doch bitte nur als ein Beleg für diesen Anspruch dienen.

Er wird sich an diesem ganz eigenen Anspruch auch messen lassen müssen. Der Landkreis hat sich politisch verändert, die CDU hat nicht zuletzt in Folge der Stendaler Wahlaffäre im Kreistag Federn lassen müssen und den Landratsposten verloren. Im Kommunalparlament sitzen neben Linken, SPD, FDP, Bündnisgrünen und Landwirten für die Region nun ebenfalls Pro Altmark und die AfD. Lötsch könnte nach all den Um- und Aufbrüchen so etwas wie ein glaubhafter Grenzgänger zwischen den Fraktionen sein. Mit seiner CDU-Mitgliedschaft habe er von Beginn an nicht hinterm Berg gehalten, versichert beispielsweise Joachim Röxe (Linke) auf Anfrage dieser Zeitung. Lötsch hatte sich, wie sicherlich andere Bewerber um den Posten auch, in den Fraktionen vorgestellt.

Lötschs Vorgänger im Amt, Sebastian Stoll, ist Mitglied der CDU und wurde im April zum Ersten Beigeordneten gewählt. Patrick Puhlmann (SPD), seit März Landrat in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel, hatte sich gegen dessen Wahl und Aufstieg ausgesprochen, vergebens. Die Machtprobe im Kreistag scheint momentan einigermaßen überdeckt. Dass einem Landrat mit Parteibuch zwei Vize-Landräte mit einem anderen und auch noch demselben Parteibuch zur Seite stehen, dürfte keineswegs üblich und selbstverständlich sein. Die konservative Seite scheint dadurch dominant. Aus dem SPD-geführten Landratsamt an der Hospitalstraße in Stendal kommt derweil auf Anfrage fast eine Rechtsbelehrung. Unter anderem heißt es über die Pressestelle: „Die Parteizugehörigkeit hat keinen Einfluss auf das Wahlverfahren, welches durch die Verwaltung vorbereitet wurde.“ VON MARCO HERTZFELD 

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