Nebenbei bemerkt

Schutzbedürfnis kontra Sparen

Kein Mord, kein Totschlag, kein Banküberfall: Im Landkreis Stendal lässt es sich offenbar sicher leben. Glücklicherweise! Doch woran liegt das? Hat der Altmärker an und für sich zu wenig kriminelle Energie im Blut? Oder strebt er nach Harmonie im Zwischenmenschlichen und hat ganz klare Vorstellungen davon, was sich gehört und was eben nicht?

Arno Zähringer

Lediglich im Bereich der Fahrraddiebstähle verzeichnete die Polizei in ihrem Bericht zur Kriminalstatistik eine Tendenz nach oben. Aber auch die scheint sich insgesamt noch im Rahmen zu halten – und ist natürlich saisonabhängig. Bei der momentanen Schneelage dürften die Drahtesel ziemlich sicher sein ... Zu einer Art Hobby im energiepolitischen Bereich – hier geht es um das Flüssige für den fahrbaren Untersatz – entwickelt sich dagegen offenbar das unerlaubte Abpumpen von Diesel-Kraftstoff. Dass daran die Preise an den Zapfsäulen eine Mitschuld tragen, ist offensichtlich. Und natürlich die Mineralölsteuer, an der der Staat kräftig verdient. Schließlich gehen bei einem Literpreis von 1,55 Euro für Benzin rund 90,7 Cent, bei 1,36 Euro für Diesel rund 69,36 Cent an den Staat. Trotzdem sind das sozusagen nur Nebenschauplätze. Dass die Kriminalitätsstatistik 2012 positiv ausfällt, hat auch mit der Präsenz der Polizeibeamten vor Ort zu tun. Deshalb wundert es nicht, dass sich eine Reihe von Beamten, Politikern, aber auch die Bürger des Landkreises Stendal kritisch mit den Plänen zur Polizeireform von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) auseinandersetzen – auch Mitglieder innerhalb seiner eigenen Partei. Denn, so berichtete die Altmark-Zeitung exklusiv in dieser Woche, die aus der Landeshauptstadt vorgelegten Varianten sehen die Schließung aller 69 Polizeistationen vor. Die regionale Zentrale soll das Polizeirevier in Stendal bilden. Das ist allerdings nur ein schwacher Trost, denn Hintergrund der Reform ist nicht nur, die vorhandenen Strukturen zu straffen, sondern vor allem Personal abzubauen und damit Kosten einzusparen. Die Ziele sind verständlich, allerdings dürfen sie nicht zulasten des Schutzbedürfnisses der Menschen gehen. Deshalb wird es eine große Aufgabe sein, die Bürger von der Notwendigkeit zu überzeugen. Denn Mord und Totschlag will niemand.

arno.zaehringer@az-online.de

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