Bauwerk „Domus Mercatorum“ datiert Archäologe auf 1190 / Rund 30 Verkaufsstände im Inneren

Kaufhaus ist über 800 Jahre alt

+
Diese Abbildung aus dem Jahr 1791 zeigt, wie das Stendaler Kaufhaus aus dem 12. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Es war rund 60 Meter lang und etwa 12 Meter breit.

Stendal. Rund 60 Meter lang und etwa 12 Meter breit – das waren laut Archäologe Manfred Böhme die Abmessungen des ehemaligen Kaufhauses auf dem Stendaler Marktplatz (AZ berichtete). Es soll dort um das Jahr 1190 herum gebaut worden sein.

Das Gebäude erstreckte sich bis zur Straße „Am Markt“. Die roten Flecken sind Ziegeldepots.

Bei Grabungen fanden Böhme und sein Team Überreste eines massiven Ziegelmauerwerks, welches sie einem Kaufhaus, dem so genannten „Domus Mercatorum“, zuordnen konnten. Bei einem Vortrag im voll besetzten Rathausfestsaal konnte Böhme viele Details über das ehemalige Bauwerk schildern. „Durch die komplette Länge des Gebäudes zog sich ein gepflasterter Weg. Im restlichen Kaufhaus gab es Ziegelfußböden“, so Böhme. Auf beiden Seiten hätten sich jeweils etwa 15 Verkaufsstände befunden. „Mit 30 Ständen war es ein mittelgroßes bis großes Kaufhaus. Größere gab es in der näheren Umgebung nicht“, beschreibt der Archäologe die Bedeutung des mittelalterlichen Einkaufszentrums.

Vor allem Tuchhändler und Gewandschneider seien damals dominant gewesen und hätten vermutlich den größten Teil der Händler ausgemacht. Auf einer Darstellung aus dem Jahr 1791 wird deutlich, dass es keine massiven Innenwände, sondern lediglich Holzwände gab, die die Stände voneinander trennten.

Das Gebäude erstreckte sich bis zur Straße „Am Markt“. Die roten Flecken sind Ziegeldepots.

Manfred Böhme konnte anhand der Grabungsergebnisse und der teils jahrhundertalten Abbildungen auch Rückschlüsse über den Materialaufwand beim Bau ziehen. „Für ein Bauwerk dieser Größe braucht man 400 Kubikmeter solides Ziegelmauerwerk. Das heißt, es hätten rund 18 000 einzelne Ziegel gebrannt werden müssen.“ Im Bereich des heutigen Ortsteils Uenglingen habe es im späten 12. Jahrhundert große Lehmvorkommen gegeben. „Für die Menge an Ziegeln waren mindestens 300 volle Wagenladungen an Lehm nötig, die in die Innenstadt transportiert werden mussten“, berichtet Böhme.

Neben der Marienkirche, die damals noch nicht so groß war wie heute, sei das Kaufhaus das größte Bauwerk am Marktplatz gewesen. „Das waren die einzigen Ziegelbauten. Drumherum am Kornmarkt oder an der Marienkirchstraße standen nur kleinere Häuser aus Holz.“ Auch Spielsteine aus Horn fand Böhme. „Damit vertrieben sich die Händler die Zeit, wenn ein Markttag mal nicht so richtig lief.“

Von Mike Höpfner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare