Nach Gewehr-Attacken gegen Vierbeiner setzen Tierfreunde 1.000 Euro Belohnung für Hinweise aus

Katzenjammer mit Spitzprojektil: „Wer schießt denn auf Babys?“

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Kater „Nase“ (l.) ist im September gestorben. Das Foto zeigt das Tier mit seiner Schwester „Mütze“.

Groß Schwechten. Obwohl es im Stendaler Ortsteil an der Grenze zur Nachbar-Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck mit einem Hahn aus Metall und zwei Löwen aus Stein in Kirchturmnähe ein tierisches Wächtertrio gibt, fühlen sich Katzen-Liebhaber in Groß Schwechten seit Wochen von großer Sorge getrieben.

Allen voran Anwohnerin Annett Obst, die den Tod ihrer Katze „Nase“ betrauert – und auch beweisen kann, das das Tier einer Schusswaffe zum Opfer gefallen ist. „Jetzt gebe ich keine Ruhe“, ruft die 48-Jährige alle Groß Schwechtener dazu auf, den oder die Täter endlich zu stoppen.

Längst hat Obst auch die Polizei eingeschaltet und diverse Beweise zusammengetragen. Anhand von Röntgenbildern, Tierarztbefunden und sogar eines Sektionsberichts kann die Groß Schwechtenerin belegen, dass in ihrem Heimatort mit Spitzkopf-Diabolos auf Katzen geschossen wird. Die 48-Jährige hat in diese Beweisdokumente eine Menge Geld investiert. „Dafür gehe ich arbeiten“, nennt sie Röntgenkosten in Höhe von etwa 80 Euro als Beispiel. Weitere 40 Euro kostete der Sektionsbericht, den Fachleute des Fachbereichs Veterinärmedizin im Stendaler Landesamt für Verbraucherschutz angefertigt haben. Demnach starb „Nase“ , weil sich in der Nähe seiner linken Niere ein laut Bericht „spitzes Diaboloprojektil“ befunden hat. „Dieses stellt mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit die Ursache für die Nierenverletzung mit Verbringung von Haarschäften und Bakterien in die Bauchhöhle dar.“ Der Kater starb demnach qualvoll.

Weil nach dem Ableben ihres Vierbeiners aber nicht Schluss gewesen sei mit den Gewehrattacken und weil sich Obst außerdem auch ganz sicher sei, dass einige Anwohner wissen müssten, wer der oder die Täter seien, macht die Groß Schwechtenerin auch in sozialen Netzwerken im Internet mobil. Dass über diese Kontakte zwei Tierfreunde – einer aus Stendal und einer Groß Schwechten – für die Ergreifung der Katzenquäler jeweils eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt haben, bringt die 48-Jährige vor Rührung zum Weinen.

Rund um den Kirchturm gibt es in Groß Schwechten mit Löwe und Hahn tierische Wächter. Dennoch gibt es seit Wochen immer wieder Schüsse auf Katzen. Ein Tier ist laut amtlichen Sektionsbericht an den Folgen qualvoll gestorben.

Der Wahnsinn im Ort mit Schüssen auf Katzen, die Freigänger seien und auch überhaupt nicht ahnen könnten, wem sie da vor die Flinte laufen, dieses Drama müsse jetzt endlich beendet werden. Obst kümmere sich bereits seit Jahren um verwahrloste Katzen. Die Attacken passierten wahrscheinlich tagsüber, wenn viele Besitzer zur Arbeit seien, vermutet sie. „Die Leute haben große Angst“, glaubt sie, sei der Grund dafür, dass keiner sage, was über den oder die Täter gewusst werde. Über die Motivation der bislang Unbekannten wisse auch sie nichts. Aber beklagt angesichts eines weiteres Vorfalls, den sie belegen könne: „Wer schießt denn Katzenbabys ins Auge?“

Bereits zweimal hat die Polizei Stendal den Groß Schwechtener Katzenjammer in ihrem Tagesrapport veröffentlicht – weil Annett Obst die Behörden eingeschaltet hat. Unter dem Titel „Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“ ging als Erstes am 11. Oktober eine Meldung raus, als Taten angezeigt wurden, die im September passierten. Zuletzt gab es vorige Woche die Meldung „Tierhasser schießt wiederholt auf Katzen“. Jetzt sei die Kripo dran, hofft Obst auf Erfolg.

Von Antje Mahrhold

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