Polizei sucht Schießwütigen / Tierschützer loben höhere Belohnung aus

Den Katzenhasser im Visier: „Leben in ständiger Angst“

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Bild aus besseren Zeiten: Kater „Nase“ (l.) und seine Schwester „Mütze“. Erstgenannte Samtpfote ist an den Folgen einer Schussverletzung gestorben. Die zweite Katze hatte eine Wunde am Bein, das Projektil wurde bei einer Operation entfernt. 

Groß Schwechten. Im Fall der attackierten Katzen von Groß Schwechten haben Tierfreunde aus der Altmark und Magdeburg eine noch höhere Belohnung ausgesetzt. 1.200 Euro soll es für den entscheidenden Hinweis aus der Bevölkerung geben, einige Hundert Euro mehr als bisher.

TierschützerinAnnett Obst

„Wir lassen nicht locker“, sagt Annett Obst der AZ und erinnert sich. Im September ist auf ihren Kater „Nase“ geschossen worden, er starb wenige Wochen später an den Folgen der Verletzung. Veterinärmediziner fanden im Bauch des Tieres ein Geschoss. Die Anzeige läuft. Vom Täter fehlt nach wie vor jede Spur. Die Kriminalpolizei ermittelt auch wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Kater „Nase“ tot, Schwester operiert

„Wir leben in ständiger Angst. Ich taste jeden Tag meine Tiere nach Fremdkörpern ab.“ Mitte Oktober war wieder auf einen ihrer Schützlinge geschossen worden. Der Tierarzt fand ein Projektil im Bein. „Mütze“ habe die Operation gut überstanden. „Ausgerechnet ,Nase’ und ,Mütze’ sind auch noch Geschwister gewesen“, berichtet die 48-Jährige mit leiser Stimme. Ein drittes Tier wurde vor zwei Jahren verletzt gefunden. Röntgenaufnahmen haben nun den schlimmen Verdacht bestätigt: Auch „Streifen“ sollte sterben. „Das Projektil sitzt gefährlich nahe am Gehirn, eine OP will und kann der Tierarzt nicht riskieren.“

Kripo ermittelt im Dorf und darüber hinaus

Die Ermittlungen seien durchaus umfangreich, informiert Dirk Marscheider auf Nachfrage der AZ. „Die Kollegen ermitteln im gesamten Umfeld der Geschädigten, ob es sich um einen Katzenhasser handelt.“ Ihm drohen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Waffengesetz eine hohe Geldstrafe und sogar Gefängnis. „Vielleicht sind auch Jugendliche am Werk, die nicht groß darüber nachdenken, was sie da eigentlich tun.“ Auch könnten mehrere Täter und nicht nur einer unterwegs sein. Da ganz in der Nähe die viel befahrene Bundesstraße 189 liege, könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Katzen unter die Räder gekommen sind. Eines bleibe: Auffallend viele Tiere hätten Schaden genommen, sagt der Polizeisprecher, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Besitzerin beteuert: Will keine Hexenjagd

Ein paar 100 Menschen leben in Groß Schwechten. „Ein Teil findet gut, was ich mache. Ein anderer Teil meint, dass ich das Dorf in ein schlechtes Licht setze.“ Obst erzählt regelmäßig auf Facebook von ihren Katzen. „Einige Leute bekriegen sich dort regelrecht, das darf nicht sein. Es fallen Namen und Verdächtigungen werden ausgesprochen. Doch eine Hexenjagd will ich nicht“, beteuert die gebürtige Stendalerin, die Mitglied im Tierschutzverein ist, gegenüber der AZ. Zu allem Überfluss habe sie nun eine Anzeige wegen Verleumdung am Hals. „Dabei ist das Ganze nur über mein Profil gelaufen.“

Mit großem Hof Traum erfüllt

Vor viereinhalb Jahren ist Obst in die Stendaler Ortschaft gezogen. „Ein großer Hof war immer mein Traum.“ Ihre beiden Söhne, der eine 21 Jahre alt, der andere 24, leben ebenfalls dort. „Alle haben wir ein Herz für Tiere.“ Momentan kümmert sich die Familie um zehn Katzen, alles Notfälle, die sonst kein anderes Zuhauses hätten. „Sie sind übrigens allesamt sterilisiert.“ Dazu kommen drei Hunde, die aus schlechter Haltung stammen, sowie einige Hühner und Kaninchen. „Ich will niemanden etwas Böses. Warum es immer wieder jemand auf unsere Tiere abgesehen hat, kann ich mir einfach nicht erklären.“

Im Dorf sollen immer wieder einmal Katzen wie vom Erdboden verschluckt sein. „Es gibt weitere Vorfälle“, formuliert die Tierschützerin vorsichtig. Und überhaupt: „Katzen verschwinden nicht einfach so. Selbst streunende Kater nicht und schon gar nicht für immer.“ Die Altmärkerin hofft, dass keines ihrer restlichen Schützlinge angegriffen wird und die ausgesetzte Belohnung zum Täter führt. „Wir brauchen endlich wieder Ruhe. Und damit meine ich ausdrücklich den gesamten Ort.“ Hinweise an sie können über Facebook oder über Tel. (0171) 65 30 539 abgegeben werden.

Von Marco Hertzfeld

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