Oben herrscht reger Verkehr, unterhalb reinstes Abfallchaos

Stendals Kanonenbrücke steckt in Müll

Wo sich Straße und Schiene begegnen: Die Brücke soll irgendwann ab 2023 ersetzt werden.
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Wo sich Straße und Schiene begegnen: Die Brücke soll irgendwann ab 2023 ersetzt werden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Die Kanonenbrücke steckt im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck. Es ist schon kurios: Kaum ein anderes Bauwerk in der Gegend nimmt so viel Straßenverkehr auf und führt ihn über Eisenbahnschienen wie dieses. Die Müllberge unten dürften aber nur wenige kennen.

Stendal – Größere Plastikteile liegen neben altem Baumaterial, ausrangierte Elektrogeräte sind ebenfalls zu finden und dazu reiner Hausmüll, der vermutlich schon seit Monaten und Jahren vor sich hin gammelt. Der Stendaler Stadtverwaltung ist die Situation ganz offensichtlich bekannt. Sie sieht allerdings andere in der Pflicht und verweist auf die Deutsche Bahn.

Wie viel Unrat sich zwischen Sträuchern und Bäumen an mehreren Stellen angesammelt hat, möchte Armin Fischbach auch nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt nicht abschätzen. Es könnten durchaus einige Tonnen sein, Wildwuchs überdeckt vieles. „Für die Entsorgung der Abfälle ist immer der Verursacher zuständig, der aber nur in den seltensten Fällen ermittelt werden kann.“ Weil die Blätter in der kalten Jahreszeit fehlen, ist die Umweltsünde momentan besser zu sehen. Schmale und unbefestigte Wege führen in das Gelände, Kleingärtner dominieren das Hinterland. Inwieweit wer zu welcher Schmuddelecke beigetragen hat, lässt sich nicht sagen.

Altelektrogeräte wie dieses sind auch zu finden.

„Der nächste Verantwortungsträger in der Kette ist dann der Eigentümer der Fläche, was in diesem Fall die DB Netz AG wäre“, teilt der Rathaussprecher auf Nachfrage der AZ mit. Noch einmal: „Die Müllansammlungen unter der Kanonenbrücke sind uns natürlich bekannt, da sie ja leider nur schwerlich zu übersehen sind.“ Und weiter: „Sie stellen für Natur und Mensch gleichermaßen ein Ärgernis dar, von dem im schlimmsten Fall auch Verletzungsgefahr ausgehen kann.“ Es stinkt zum Himmel und doch kann und will die Stadt nichts unternehmen. Spaziergänger dürften sich nur selten dorthin verirren.

Im städtischen Ordnungsamt liegen laut Fischbach bislang keine Anzeigen und Hinweise vor. „Folglich konnten wir auch nichts an die untere Abfallbehörde beim Landkreis weiterleiten.“ Fischbach sieht „Rücksichtslosigkeit und Nachlässigkeit einzelner Menschen, die ihren Müll dem anderem oder gleich der gesamten Gesellschaft aufbürden wollen“. Spätestens bei Aufräumaktionen und dem Wiegen in Recyclinghöfen staune man, wie viel Unrat sich an einer Stelle angesammelt hatte. In dem Falle handle es sich eben um Firmengelände. Weil die „Eingriffsermächtigung“ fehle, seien Kontrollen unmöglich.

„Leider können wir hier nicht viel machen“, meint der Rathaussprecher. Weil die Lüderitzer Straße kommunal ist, zeichnet die Stadt auch für die Kanonenbrücke verantwortlich. Irgendwann ab 2023 soll, wie berichtet, das altersschwache Bauwerk ersetzt werden. „Spätestens im Rahmen der Bauarbeiten wird aber zweifellos beräumt werden müssen. Die Hansestadt würde es natürlich begrüßen, wenn die Abfälle bereits vorher korrekt entsorgt würden.“ Die Brückenarbeiten beginnen in zwei Jahren oder auch später. Der Unrat bliebe so lange liegen. Eine Anfrage der AZ bei der Bahn läuft.

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