Ansturm auf Internet-Vorlesung in der Kinder-Uni  /  Ab April steht erstmals der Nachwuchs am Pult

„Das kann richtig teuer werden“

„Benehmt euch im Internet anständig“, rät Jurist Stefan Mensler aus Recklinghausen beim Wintersemester-Finale der Kinder-Uni. Mit einem neuen Angebot geht es am 29. April weiter.
+
„Benehmt euch im Internet anständig“, rät Jurist Stefan Mensler aus Recklinghausen beim Wintersemester-Finale der Kinder-Uni. Mit einem neuen Angebot geht es am 29. April weiter.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
    schließen

Stendal. „Wenn ihr schimpfen wollt, macht das in eurer Familie, aber nicht im Internet“, rät Rechtsanwalt Stefan Mensler Samstag beim Wintersemester-Finale der Kinder-Uni.

Der Professor aus Recklinghausen steht das erste Mal vor so jungem Publikum, aber sein Thema trifft den Nerv der Jugend. Welche straf- oder zivilrechtlichen Gefahren im weltweiten Netz lauern, das wollen die Acht- bis Zwölfjährigen eben ganz genau wissen. Und erfahren, dass schon ab Siebenjährige (über ihre Eltern) zur Unterlassung strittiger Inhalte in Wort, Bild und Ton verpflichtet werden könnten. Selbst Schadensersatz müssten gesetzliche Vertreter so junger Internetnutzer zahlen, warnt Mensler.

Mit mehr als 100 Mädchen und Jungen hat Kinder-Uni-Koordinator Falko Leonhardt im Audimax mehr Kinder gezählt, als Brötchen für die Vorlesungspause vorhanden sind. Ebenso nicht für alle reichen Samstagvormittag Plastikhüllen für die Ausweise neuer Jungstudenten. Selbst die Besucher-Fragebögen sind restlos vergriffen.

Auch wenn der Jugendliche in Deutschland erst ab 14 Jahren strafmündig sind, was der Professor „sehr spät“ findet, sollten sie sich im Internet „anständig“ benehmen. Sonst drohen wegen Verleumdung, übler Nachrede oder Beleidigung und der Verletzung von Persönlichkeitsrechten Gefängnis- und Geldstrafen oder Schadensersatz und Schmerzensgeld, bittet der Jurist um Beispiele aus der Welt seiner Stendaler Zuhörerschaft. Und hört vom Fall einer Lehrerin, die ihren Schüler verklagen will, weil er sie im Unterricht mit dem Handy gefilmt hat. Auch von Grusel- und Lügen-Nachrichten bei Whats-App, von Kettenbriefen und manipulierten Fotos handelt die Fragerunde. „Passt auf, dass ihr auf euren Fotos nicht Leute zeigt, die nicht ins Internet wollen. Das kann richtig teuer werden“, verweist Mensler auf das Beispiel einer Schwangeren, deren Babybauch-Bild durch ihren Fotografen ungefragt auf der Internetseite seines Geschäfts veröffentlicht worden sei. Weil die werdende Mutter aber ein auffälliges Tattoo am Nabel trug, sei sie zweifelsfrei erkennbar gewesen. Und der Fotograf habe deshalb 3000 Euro Schadensersatz zahlen müssen.

Von Antje Mahrhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare