Fall Demker: Kreistagsmitglied verurteilt Vorgehen der Soko Tierschutz

„Das kann doch nicht sein“

Die „Soko Tierschutz“ hat angekündigt, dem Landkreis noch mehr „Beweismaterial“ zur Verfügung stellen zu wollen.
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Die „Soko Tierschutz“ hat angekündigt, dem Landkreis noch mehr „Beweismaterial“ zur Verfügung stellen zu wollen.
  • VonCharlotta Spöring
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Stendal/Demker. „Die Umsetzung eines Tierhaltungsverbotes gegenüber dem Milchviehbetrieb in Demker ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich.“

Das teilte Landrat Carsten Wulfänger am Donnerstag bei der Sitzung des Kreistages mit, nachdem er diesbezüglich am 24. Mai eine Prüfung veranlasst hatte.

Seit Tagen seien zwei Tierärzte mit dem Sichten des Videomaterials beschäftigt, so der Landrat, welches die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ dem Landkreis hat zukommen lassen. Zeigen sollen die 6.331 Videodateien (rund 580 Gigabyte) tote, verendete und teils skelettierte Tiere aus dem mehrfach angeprangerten Milchviehbetrieb in Demker (AZ berichtete).

Aufgrund der Menge an Material seien die Experten noch nicht am Ende ihrer Analyse angelangt, aber zum jetzigen Zeitpunkt „gab es keine tierschutzwidrigen Handlungen oder Rohheiten der Mitarbeiter gegenüber den Tieren“, erklärte der stellvertretende Landrat Sebastian Stoll. Er mahnte: „Bei allen Emotionen, die bei diesem Thema aufkommen, müssen wir darauf achten, dass die Gesetzmäßigkeit unseres Handelns gewahrt wird.“ Landrat Wulfänger fügte hinzu, dass der Landkreis keine 1:1-Betreuung der Anlagen und Betriebe im Landkreis realisieren könne, „so wie es hier offensichtlich die Tierschutzorganisation über mehrere Monate getan hat“.

Schon mehrfach wurde Kritik an dem Vorgehen der Tierschutzorganisation laut. Auch Steffi Friedebold (parteilos) zeigte sich aufgebracht: „Wie kann es sein, dass die Soko über mehr als 6.000 Dateien an Videomaterial verfügt? – Das ist Hausfriedensbruch!“ Tierhalter müssten schon einen Eklat befürchten, wenn eines ihrer Tiere krank oder verletzt sei. „Das kann doch nicht sein“, verurteilte Steffi Friedebold das Vorgehen.

Weil vonseiten der Tierschützer immer wieder Vorwürfe gegen das Stendaler Veterinäramt aufkamen, hat sich der Landkreis dazu entschieden, eine genaue Dokumentation des „Falles Demker“ auf seiner Homepage publik zu machen. Darin enthalten: Stellungnahmen des Landrates, eine Chronologie der erfolgten Maßnahmen durch den Landkreis sowie Sanktionen gegen den Betreiber. Nachzulesen ist dies unter der Adresse www.landkreis-stendal.de/de/milchviehanlage-demker.html.

Eines musste Carsten Wulfänger noch loswerden: „Die Landwirte in unserem Landkreis sind wichtig für die Region. Zum allergrößten Teil führen sie ihre Betriebe äußerst verantwortungsvoll.“

Von Charlotta Spöring

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