Kampfkünstler wachsen

Stendaler Jiu-Jitsu-Verein will Stützpunkt weiter ausbauen

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Haltegriffe zählen – im Dojo an der Lemgoer Straße werden sie geübt.

Stendal – Den 20. Geburtstag seiner Kampfkunststätte im Stadtteil Süd begeht Stendals Jiu-Jitsu-Verein am 1.  Juni. „Alles begann vor 22 Jahren mit einer Idee unseres Vorsitzenden Karsten Ullrich“, sagt Kornelia Brasche.

Damals trainierten Kinder, Jugendliche und Erwachsene noch in verschiedenen Sporthallen getrennt. „Keiner kannte den anderen. Für uns war das kein guter Zustand“, fügt die Pressewartin hinzu.

Es wurde ein Objekt gesucht, eine einstige Sekundär-Rohstofferfassung-Annahmestelle (Sero) schien geeignet. Nachdem die Statikberechnung, Baugenehmigung und Fördermittel erledigt waren, begann der Umbau. Erste Maßnahme war, das Gelände von Unrat und Wildwuchs zu befreien. Dann wurde eine Hälfte komplett abgerissen, in der zweiten entstanden Umkleide- und Sanitärräume mit Büro und ein Heizraum – und das neue Dojo, der Trainingsraum, mit Empore. „Mit Fördergeld vom Landes- und Kreissportbund sowie von der Stadt Stendal konnten wir Material kaufen und Firmen für Stahlbau und Dach bezahlen. Für mehr reichte das Geld nicht“, schildert Brasche.

Alle anderen Arbeiten wurden in Eigenleistung erledigt, wie Mauern, Fliesen, Elektro, Heizung und Sanitär. „Das war für uns eine große Herausforderung“, verweist die Sprecherin darauf, dass Mitglieder verschiedener Branchen die Arbeiten übernommen hätten. Es seien 64 Mitglieder gewesen, die die Trainingsstätte mitaufgebaut hätten. Gearbeitet worden sei bis tief in die Nacht, 9691 Stunden seien zusammengekommen. Neben Ullrich und Brasche seien Steffi Gericke, Lothar Kreibe und Thomas Schwieger besonders aktiv.

Nach fast zwei Jahren vom Planungsbeginn mit einem Stendaler Ingenieurbüro wurde „unser Dojo am 1. Juni feierlich eröffnet“, erinnert die Sprecherin.

Mittlerweile sei die Trainingsstätte die ganze Woche voll ausgelastet. „Es gibt zwei Kindergruppen, eine Erwachsenengruppe, eine Seniorengruppe (männlich), eine Frauengruppe und eine Frauen-Fitnessgruppe. Auch die Wettkampf- und Showmannschaft trainiert an der Lemgoer Straße. Inzwischen gibt es in der Bismarker Ortschft Dobberkau ein weiteres Dojo. Dort trainieren eine Kinder- und eine Frauengruppe. „So ist es nicht verwunderlich, dass der Verein in den letzten 20 Jahren stetig gewachsen ist und mittlerweile 300 Mitglieder zählt.“.

Auch im Wettkampfbereich habe sich viel getan. Für die Organisation nationaler und internationale Wettkämpfe wurden die Deutsche Jiu-Jitsu Akademie sowie die International Jiu-Jitsu Academy gegründet – jeweils mit Sitz in Stendal. Ausgerichtet wurden auf dem Boden der Rolandstadt bereits eine Europameisterschaft und eine Weltmeisterschaft. Es gab diverse Kampfsportshows mit internationaler Beteiligung, auch mit 1000 Zuschauern in der Sporthalle des Stendaler Berufsschulzentrums an der Schillerstraße.

Jährlich wird ein Kampfkunstseminar mit ausländischen Meistern und Großmeistern in der Rolandstadt organsiert. „Diese Gäste sind nicht nur von der Gastfreundschaft der Stendaler begeistert, sondern auch von der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten“, schildert die Sprecherin.

Stendaler Kampfsportler sind auch bei Seminaren in Polen und Belgien vertreten. So gastierten Ullrich und seine Uke, wie die Partnerin auf der Matte heißt, Kornelia Brasche, als Dozenten mehrmals in Polen, Belgien und Luxemburg. Brasche habe ihre Feuerprobe als Dozentin vor mehreren internationalen Großmeistern in Polen bestanden. In diesem Monat waren die beiden Kampfsportler zu einem Seminar in Wien eingeladen – das wegen Corona abgesagt wurde. Im Oktober steht eine Einladung nach Georgien aus.

Die beiden in Stendal ansässigen Verbände seien „offen für alle Stilrichtungen“ und somit nicht nur Jiu-Jitsu. Deswegen ist geplant, einen internationalen Kampfsportstützpunkt aufzubauen. Dafür sollte ein weiteres Grundstück neben dem Dojo erworben werden, wogegen sich „die Politik jedoch leider“ entschieden habe. Ein Bauantrag sei abgelehnt worden, teilt Brasche mit. „Wir werden unsere Trainingsstätte in Stendal-Süd weiter ausbauen“, kündigt sie an. „Wir alle hoffen, dass wir die Coronazeit bald überstanden haben und unseren Trainings- und Wettkampfbetrieb aufnehmen können. Es warten noch viele Aufgaben auf uns.“  pm

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