Bestandteil des Stendaler Schauspielhauses unter neuer Führung / Eröffnung am 20. August geplant

Der Kaisersaal wird zur Kantine

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Elisabeth Seyer will im Kaisersaal des Stendaler Theaters eine „Kulturkantine“ etablieren. Das Eröffnungsdatum steht. Es ist der 20. August. Wie überall im Gebäude, das Anfang der 1990er Jahre saniert wurde, gibt es Kunst, die bleiben soll.

Stendal. „Das ist die Kulturkantine. Das Theatercafé ,Kulturkantine'“, sagt Elisabeth Seyer und dreht den Schlüssel im Schloss um. Die passende Tür ruht an der Hallstraße in ihren Angeln. Sie ist in jüngerer Vergangenheit immer seltener auf- und zugemacht worden.

Der Blick hinein: An den Wänden sind Abbilder von Männern zu sehen. Sie heißen unter anderem Friedrich oder Wilhelm. Und geben diesem Raum seinen Namen– der Kaisersaal.

„Er hat eine kleine Bühne, ein Flügel steht hier in der linken Ecke. Der Raum ist in einem sehr schönen, warmen Rotton gestrichen, mit weißem Stuck. Sieht schön und interessant aus und gemütlich.“ Hier sollen in wenigen Wochen Schauspieler und Regisseure, aber auch Stendaler und Gäste frühstücken und mittagessen können. Das erklärt den einen Teil des Namens – wie in einer Kantine eben. Nur gibt es hier den Anspruch, auch vegane Produkte auf der Karte zu haben. Da wird es beispielsweise nach einer roten Linsen-Bolognese duften, die mit Zwiebeln angedünstet sind, mit Tomaten abgelöscht werden und mit Basilikum, Petersilie und Rosmarin gewürzt wird. Es wird aber nicht nur vegan, denn die Ideenstifterin hat auch regionale Fleischproduzenten mit ins Boot geholt. „Also wir werden wirklich explizit vegane Gerichte zubereiten, sodass jedem Veganer hier das Herz aufgeht. Unter anderem soll es aber auch leckere Bratwürste geben.“

Und natürlich muss Kultur hier auch eine Rolle spielen, wenn nebenan auf den Bühnen des Theaters der Altmark (TdA) verschiedene Rollen präsentiert werden. Premierenfeiern sollen beispielsweise von Jazz-Musikern begleitet werden. Eine Kooperation mit Instrumentalisten der Stendaler Musik- und Kunstschule bezieht weitere Akteure aus der Hansestadt mit ein. Lesungen sind geplant. Dann können Werke und deren Autoren vorgestellt werden. Mit weiterem Blick auf das Stendaler Schauspielhaus bieten sich Werkseinführungen mit kulinarischem Genuss an. Vor der Aufführung ist auch nach dem Theaterstück – wenn sich die Besucher nach einer Vorstellung vielleicht auch mit dem Regisseur und Schauspielern über inhaltliche Fragen unterhalten mögen. Eine weitere Idee: Politische Diskussionen bei einem Glas Wein an der Bar sind in Planung.

Der Raum mit seiner Bar hat Charme und lässt sich individuell mit Tischen und Stühlen gestalten. Auf dem Parkett des Kaisersaals wäre aber auch Platz zum Tanzen. Frei unter dem Motto: „Seid nicht doof, geht zum Schwoof!“

„Ja, das! Ich habe mit einer Freundin ein bisschen philosophiert, was noch so möglich wäre. Und das kam dabei heraus“, sagt Seyer, die viel Erfahrung in der Gastronomie gesammelt hat und sich nun einen Traum erfüllt. „Ich wurde gefragt, ob ich dem Kaisersaal neues Leben einhauchen könnte.“ Sie hat sich Zeit gelassen. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Ideen entwickelt. Sie will realistisch an die Sache herangehen. „Wir haben in Stendal tolle Gastronomen, die tolle Burger produzieren, Forelle blau auf den Teller zaubern und Hochzeitssuppe zubereiten. Ich möchte mit der teils veganen Küche neue Wege gehen und meinen Mitarbeitern ein tolles Umfeld schaffen.“

Von Alexander Klos

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