Behörden suchen Täter

Kadaver einfach in Wald geworfen: Uchtspringer findet Plastiktüten voller Schafsreste

Ein Bild des Ordnungsamtes aus dem Wald zwischen Uchtspringe und Wilhelmshof. Den Anblick der Kadaver wollen die Ordnungshüter allen ersparen.
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Ein Bild des Ordnungsamtes aus dem Wald zwischen Uchtspringe und Wilhelmshof. Den Anblick der Kadaver wollen die Ordnungshüter allen ersparen.

Uchtspringe – Es habe schon komisch gerochen, bevor er überhaupt richtig nachgeschaut habe. Fünf große Plastiksäcke lagen mitten im Wald bei Wilhelmshof. Der 69-Jährige entdeckte sie zufällig während eines Streifzugs durch die Natur.

Er knotete einen der Säcke auf und traute seinen Augen nicht. Reste eines oder mehrerer Tiere befanden sich darin.

„Es stank bestialisch. Tausende Maden hatten sich bereits gebildet“, beschreibt der Uchtspringer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er habe mit irgendwelchem Hausmüll gerechnet und sich vorsorglich Gummihandschuhe aus dem Auto geholt. „Doch so eine Schweinerei schlägt dem Fass den Boden aus“, schimpft der Altmärker noch Tage später.

Auch die Behörden verstehen bei derartigen Vorfällen keinen Spaß, schließlich könnten sich Seuchen von solchen illegal entsorgten Tierresten ausbreiten. „Eine Entfernung von Kadavern ist immer geboten“, betont Stendals Stadtsprecher Philipp Krüger gegenüber der AZ.

Das Ordnungsamt gehe momentan von Schafsresten aus, insgesamt bis zu 100 Kilogramm schwer. Die mutmaßlichen Schlachtabfälle wurden in blaue und rote Tüten gesteckt und einfach wenige Meter entfernt von einem nur schwer befahrbaren Waldweg abgelegt. Inwieweit tierische Abfälle in der Stendaler Ortschaft und in der gesamten Einheitsgemeinde häufiger einfach in die Landschaft geschmissen werden, dazu gibt es keine Angaben.

Der Uchtspringer kann den Anblick jedenfalls nicht so schnell vergessen. „Ich habe vor allem Fell gesehen, blutverschmiert.“ So schnell könne ihn ja nichts schocken, der Anblick von Fleisch schon gar nicht. „Aber damit konnte doch keiner rechnen.“ Die Kreisstraße zwischen Uchtspringe und Wilhelmshof ist nicht weit weg, er befährt sie regelmäßig.

Schafe werden mittlerweile eher einzeln oder in kleinen Gruppen gehalten. Herden sind selten geworden.

Nur eine Tüte öffnete er und schloss sie schnell wieder. Der Rentner schickte einen Bekannten in die Spur und informierte später selbst das Ordnungsamt in der Kernstadt. Mitarbeiter schauten sich laut Krüger an einem Tag die Sauerei an und schon am nächsten holte eine beauftragte Firma die Kadaver ab und brachte sie zur Entsorgung. Dass die Verwaltung umgehend reagiert hat, freut den 69-Jährigen.

Dabei hatte er schon befürchtet, die Behörden in Stendal würden sich nicht groß dafür interessieren. Zwischen dem Fund und dem Anrücken des Ordnungsamtes lag ein Wochenende und eine erste Nachricht über Dritte kam offenbar nicht an. „Entscheidend ist das Ergebnis“, sagt der Uchtspringer der AZ und lächelt. Fragen bleiben natürlich dennoch bei ihm offen. War es ein Einheimischer oder ein Fremder, der die Schlachtabfälle illegal im Wald entsorgt hat?

Steckt vielleicht sogar eine größere kriminelle Sache dahinter? Antworten auf diese und weitere Fragen kann der Rathaussprecher momentan noch nicht beantworten. „Bisher liegen keine Hinweise zum Verursacher vor.“

Die Stadt hat der weiteren Zuständigkeit wegen den Fall dem Landkreis und dessen Veterinäramt übergeben. Der oder die Täter dürften mindestens gegen das Tierische- Nebenprodukte-Beseitigungs-Gesetz verstoßen haben. Anzeige bei der Polizei und Strafen könnten folgen. Für eine Ahndung muss der Verursacher natürlich erst einmal gefunden sein. Wie der Landkreis weiter verfahren will, dazu hat sich bislang noch niemand geäußert. Die Stadt Stendal stellt für die Beseitigung von illegal entsorgtem Hausabfall, Schrott und Sperrmüll jährlich rund 25 000 Euro bereit. Eine eher seltene Rechnung für die fachgerechte Entsorgung von Schafskadavern ist nun dieser Tage geschrieben worden.

Der Wald bei Wilhelmshof erlangte vor vier Jahren traurige Berühmtheit. Ein fünfjähriges Mädchen verschwand am Ortsrand und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Menschen wollen Inga an verschiedenen Stellen dieser Welt gesehen haben. Bislang lief allerdings jede Spur ins Leere. Wo sich das Kind befindet, ist nach wie vor unklar. Die Polizei nimmt weiter Hinweise entgegen.

VON MARCO HERTZFELD 

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