Museologin Antje Reichel findet für Osterburg ältere und neuere Spuren

Jüdisches Leben gehört dazu

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Antje Reichel zeigt Akten aus dem Stadtarchiv.

Osterburg. Juden, ob nun besonders religiös oder eher weltlich orientiert, gehörten und gehören wie selbstverständlich zu Osterburg und der Altmark. Auch wenn die Zahl bekennender Juden in der Region überschaubar sein dürfte, finden sich doch alte und neue Spuren.

Museologin Antje Reichel muss nicht lange überlegen: „Die Jüdenstraße, der Friedhof, neuerdings die Stolpersteine mitten im Herzen Osterburgs, interessante Akten im Stadtarchiv . . . “ Erster Stoff für eine mögliche Promotionsarbeit, wenngleich sie ob der Fülle ihrer Aufgaben selbst keine Ambitionen in diese Richtung hege. Das Thema interessiert, sogar die Jugend, wie die vollen Reihen im Osterburger Kreismuseum beweisen. Zweimal trat die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Prignitz-Museums allein gestern vor neugierige Besucher.

„Jüdisches Leben in der Altmark“ hatte Reichel ihre Worte innerhalb der Themenwoche „Denken ohne Geländer“ anlässlich des Gedenktages betitelt. Genau vor 72 Jahren war das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Wie sehr Juden und Judentum mit Deutschland, ihrer Heimat, verwoben waren, lasse sich beispielhaft an Ludwig Ascher zeigen. „Dass er jüdische Vorfahren hatte, dessen war er sich vielleicht noch nicht einmal bewusst“, so Reichel im AZ-Gespräch. Der gebürtige Osterburger war von den Alliierten als Bürgermeister der Biesestadt eingesetzt worden.

Von Marco Hertzfeld

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