Wie Straftaten in die Polizeistatistik aufgenommen werden

Jedes Hakenkreuz in Stendal wird erfasst

Im Stadtgebiet gibt es viele Grafitti. Ein besonderer Ballungsort ist die Prinzengasse.
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Im Stadtgebiet gibt es viele Grafitti. Ein besonderer Ballungsort ist die Prinzengasse.

Stendal – Straftaten werden von der Polizei nicht nur verfolgt und so möglichst die Täter ermittelt, sie werden zusätzlich auch in verschiedenen Polizeistatistiken erfasst.

Diese dienen nicht nur dazu, die Öffentlichkeit über die Arbeit der Behörde zu informieren, sondern dienen auch internen Zwecken. Dabei können die Innenminister der jeweiligen Bundesländer eigene Schwerpunkte setzen. Nur die polizeiliche Verkehrsstatistik, die letztendlich in Flensburg aufläuft, ist bundesweit einheitlich.

So wie diese genutzt wird, um beispielsweise Häufungen von Wildunfällen zu erkennen, um entsprechende Warnschilder aufzustellen, werden auch andere Polizeistatistiken herangezogen, um die Arbeit der Beamten zu unterstützen. Denn auch wenn Verbrechen häufig bestimmten Mustern folgen, Einbruchsserien können so nach Angaben des Polizeisprechers der Polizeiinspektion Stendal, Joachim Albrecht, öfter an Autobahnen verlaufen, sind die Voraussetzungen nicht in allen Bundesländern gleich. Gerade in ländlichen Gebieten wie Mecklenburg-Vorpommern, in denen es wenige Autobahnen gibt, werden diese dann anders analysiert. Dort liege der Schwerpunkt deshalb auf Gewerbegebieten.

Solche Erkenntnisse werden bei der Polizei nicht zur jährlichen Präsentation der Statistiken, sondern täglich ausgewertet, um auf besondere Vorkommnisse reagieren zu können. Dann werden beispielsweise zusätzliche Streifen in einem Gebiet eingesetzt.

Politisch motivierte Kriminalität

Für politisch motivierte Verbrechen gibt es Definitionen zur Einordnung. Diese werden aber nicht einfach ohne weitere Kontrolle abgearbeitet. „Ein Brand ist erst einmal ein Brand. Dann wird ermittelt“, erläutert Albrecht das Arbeitsprinzip. So werde auch jede Hakenkreuzsprühererei aufgenommen. Ist die Täterschaft noch unklar, handele es sich jedoch zunächst um die Nutzung verfassungsfeindlicher Symbole. Die endgültige Einordnung in die Statistik erfolgt jedoch erst nach der abgeschlossenen Ermittlung. Schließlich könne vorher nicht einwandfrei bewiesen werden, ob es sich um einen Dummejungenstreich als Mutprobe oder möglicherweise eine Diffamierung der entsprechenden Be- oder Anwohner des Gebäudes handelt. In beiden Fällen findet sich das Vergehen in der Statistik wieder. Jedoch, je nach Umständen, nicht eingeordnet als rechtsextremes Verbrechen, sondern im unpolitischen Abschnitt.

VON STEFAN HARTMANN

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