Islamische Gemeinde Stendal richtet sich in neuem Kulturzentrum ein / Warten auf die Baugenehmigung

„Jeder Muslim muss würdig beten können“

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Bei einer Ortsbesichtigung: Mitglieder der muslimischen Gemeinde (darunter Mohamed Msaik, 3.v.r., und Soulaimani Slimane, 2.v.r.) im künftigen Gebetsraum. Rechts die nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische.

Stendal. Täglich bimmelt es bei Mohamed Msaik auf seinem Handy, fünf-, sechsmal: Es sind Flüchtlinge, die eine islamische Gemeinde vor Ort suchen. Oder sie stehen vor dem alten muslimischen Kulturzentrum in der Friedrich-Ebert-Straße, der Al Rahma-Moschee.

Msaik, der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde, muss ihnen erklären, was derzeit passiert. Denn die islamische Gemeinde steht gerade vor einem Umzug: Das Zentrum will in diesem Frühjahr in die Lucas-Cranach-Straße umziehen. Und vor Ort ist noch viel zu tun, noch wartet man auch auf die Genehmigung der Stadt für einige Umbaumaßnahmen.

Ende des vergangenen Jahres hatte die Gemeinde das neue Gebäude in der Cranach-Straße gekauft. Hier gibt es große Räume, einen umfangreichen Keller mit vielen Zimmern, einen Aufenthaltsraum, einen Eingangsbereich – aber alles sieht noch nach Baustelle aus. Das Dach muss ausgebessert werden, die Wände sind nur verputzt, eine Heizung wird derzeit eingebaut, Platten aus der Decke des zentralen Gebetsraums sind herausgefallen. Nur die Gebetsnische ist bereits aufgestellt, ausgerichtet auf die Gebetsrichtung „Qibla“, 134,64 Grad, fast exakt Südwest, gen Mekka.

Es ist noch viel zu tun im künftigen muslimischen Kulturzentrum. „Momentan machen wir nur Trockenbau“, sagt Msaik, mehr sei ohne Baugenehmigung nicht möglich. Um ihn stehen weitere Gemeindemitglieder, einige haben ihre Kinder mitgebracht. Zwei Firmen sind beauftragt für Wasser und Strom, muslimische Stendaler helfen, so gut sie können, in Eigenleistung. Die Gemeinde ist in Zeitdruck. Denn aus dem alten Gebäude muss sie raus, und eigentlich muss in Windeseile die neue Moschee her. „Wenn die Genehmigung von der Stadt kommt, brauchen wir noch vielleicht drei Monate“, sagt der Vorsitzende der Gemeinde. Der Flüchtlingszuzug versetzt die Gemeinde in Zeitdruck: „Jeder Muslim muss würdig beten können“, sagt Msaiks Begleiter Soulaimani Slimane. Er und Msaik führen durch Flure und Räume, zeigen auf Wände, gekachelte Bereiche, Türen, die breiter werden müssen.

Hier soll nicht nur gebetet werden. Neben der Funktion als Moschee soll dies auch ein muslimisches Kulturzentrum werden, also eine Begegnungsstätte, Raum für Sprachkurse oder den Austausch über das Leben in Deutschland.

Slimane und Msaik sind betroffen von den Übergriffen mutmaßlicher Migranten in Köln. Ein Grund mehr für das Kulturzentrum: Flüchtlinge kommen manchmal aus komplett unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Einige seien mit der gesellschaftlichen Freiheit, dem selbstverständlichen Umgang mit dieser Freiheit und den Grenzen dieser Freiheit nicht vertraut. „Wir wollen Flüchtlinge auch im Alltag anleiten“, sagt Slimane, „ihnen zeigen, wie man sich in Deutschland bewegt.“ Köln sei der Extremfall. Aber Anleitung brauche es auch im ganz normalen Leben in Stendal. Das könne auch bedeuten, den Umgang mit der eigenen Angst vor dem fremden Land und seinen unbekannten Sitten zu lernen.

Platz für Flüchtlinge wird sein: Die Moschee und der Gemeinschaftsbereich in der Lucas-Cranach-Straße sind erheblich größer als in der Friedrich-Ebert-Straße. Was noch fehlt, ist der letzte Kraftakt, das neue Haus umzubauen – und eben die Baugenehmigung.

Von Kai Hasse

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