Holz aus dem 15. Jahrhundert war nicht mehr belastbar / Neuer Turm mit alter Wetterfahne

Jarchauer Kirche erhält Frischekur

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Christian Saal zeigt die historische Wetterfahne und die Turmkugel. Bald zieren sie wieder den Jarchauer Kirchturm. In den kommenden Tagen soll die Sanierung zu Ende gehen. Danach sollen auch die Wege auf dem Kirchengelände erneuert werden.

Jarchau. Wer momentan durch Jarchau geht, wird sicherlich den Blick auf die Kirche richten. Schon weithin ist sichtbar, dass mit Hochdruck am eingerüsteten Turm gearbeitet wird. Die derzeit gute Witterung wird ausgenutzt.

Als das Dorf Jarchau unter dem alten Namen Gardgouwe um 1228 erstmalig erwähnt wurde, entstand auch das Gotteshaus in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im romanischen Baustil. Die Kirche besteht überwiegend aus naturbelassenen Findlingen und wurde mit einer Zuckerhutglocke ausgestattet.

Im 18. Jahrhundert wurde das Gotteshaus baulich verändert. Gut sichtbar an der Fachwerkbauweise am Turm. In der Metallfahne ist die eingestanzte Jahreszahl 1787 noch klar zu erkennen. Wie die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Susanne Wichmann, im Gespräch mit der AZ berichtete, hatte sich im Laufe der Jahrzehnte die Kirchturmspitze verdreht und war so aus dem Lot geraten. Daher mussten vor einigen Jahren Eisenträger zur Stabilisierung eingezogen werden.

„Trotz zahlreicher Bemühungen um den Erhalt der Kirche durch den Gutsherrn Friedrich Wilhelm Leopold von Rosenbruch wurde das Holz im Turm immer morscher, was auch ein geladener Holzsachverständiger bestätigte. Dieser war erstaunt, dass beim Bau des Kirchturmes sogar Holz aus dem 15. Jahrhundert verwendet wurde und nun nicht mehr belastbar sei. So entschloß sich die Kirchengemeinde mit Unterstützung des Kirchenkreises, der Denkmalbehörde und anderen zu den Erneuerungsarbeiten im Wertumfang von rund 90 000 Euro. Etliche Sponsoren hatten sich gemeldet. „Den Anfang machte mein Mann, der anlässlich seines 60. Geburtstages auf Geschenke verzichtete und einen Spendenbetrag von 1000 Euro überwies“, erzählte die Vorsitzende. Die bauausführenden Zimmereien sind stolz auf diesen Auftrag, schließlich erlebt es nicht jeder, einen Kirchturm zu errichten.

Für die circa zehn Meter hohe Turmspitze, die viereinhalb Meter an jeder Kantenlänge misst, wurde das Eichen- und Lärchenholz nach überlieferten historischen Verbindungen zunächst auf dem Firmengelände zusammengefügt und dann per Kran auf den Kirchturm gesetzt. Damit verbunden waren auch etliche Maurerarbeiten.

Nach der Schieferabdeckung sollen die Arbeiten nun bald abgeschlossen sein. Doch damit nicht genug. „Als nächstes Vorhaben ist geplant, die Wege auf dem Kirchengelände im Frühjahr zu erneuern“, kündigt die Vorsitzende an.

Von Klaus Pohlmann

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