20 Jahre ohne roten Stern: Museum erinnert an militärische Vergangenheit des Hochschulareals

„Darf ein wenig Staub drauf sein“

Sandfarbene Militärklamotten treffen nicht unbedingt den Geschmack von Doreen Falke. Den historischen Wert kennt die 42-Jährige aber natürlich an. Die Hochschulmitarbeiterin möchte noch möglichst viele neugierige Gäste durch das Museum führen.
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Sandfarbene Militärklamotten treffen nicht unbedingt den Geschmack von Doreen Falke. Den historischen Wert kennt die 42-Jährige aber natürlich an. Die Hochschulmitarbeiterin möchte noch möglichst viele neugierige Gäste durch das Museum führen.

Stendal. „Da darf ruhig ein wenig Staub drauf sein. “ Doreen Falke fährt mit der flachen Hand über einen Stahlhelm, auf dem ein roter Stern prangt. Vor zwei Jahrzehnten haben die GUS-Streitkräfte Stendal verlassen.

„Damit ging eine Ära sowjetischer Präsenz in der Altmark zu Ende“, weiß die Hochschulmitarbeiterin. Die fremden Soldaten hinterließen Spuren, die nach der politischen Wende nicht sonderlich wertvoll erschienen, vieles ging verloren. Als die Tauentzienkaserne Mitte der 1990er-Jahre zur Bildungsstätte umgebaut wurde, fanden Handwerker nur noch einige wenige Dinge, die vom Leben der einstigen Besatzungsmacht zeugen. Sie liegen nun im „historischen Zimmer“, dem Herzstück des Hochschulmuseums. Seit der Eröffnung 2012 hat die 42-Jährige mehr als 30 Gruppen durch die Katakomben von Haus 3 geführt.

Doch noch ist das Museum mehr ein Geheimtipp. Vor allem Absolventen der altmärkischen Hochschule steigen in den Keller hinab. „Anwohner schauen auch vorbei, einige bringen sogar Sachen mit, die gut in unsere Sammlung passen.“ Erst unlängst habe ein Mann einen Kasten voller Metallteile dagelassen. „Was es genau ist, muss allerdings noch geklärt werden. Wir wissen nur: Es kann nicht in die Luft gehen“, sagt Falke schmunzelnd und klappt das Gästebuch auf. Der am weitesten gereiste Besucher ist ein Professor aus dem japanischen Nagasaki gewesen. Für die Ostaltmärkerin ist das Museum ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Sie ist in der Hochschule für die regionale Zusammenarbeit zuständig.

Der Komplex an der Osterburger Straße hat eine ziemlich lange militärische Vergangenheit. Von 1936 bis 1938 errichtet, hatten zunächst die Deutschen selbst dort das Kommando. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zog die Rote Armee ein. „Das wichtigste Ausstellungsstück ist für mich eine Zeitung, die im Uhrenturm von Haus 1 steckte.“ Bei der Übergabe war sie dort für die Nachwelt hinterlegt worden. An der Ausgabe vom 12. März 1938 hat der Zahn der Zeit stark genagt. Von der Titelgeschichte „Österreich unterm Hakenkreuz“ ist so gut wie nichts mehr geblieben. „Dennoch hat das recht zerfledderte Papier für uns seinen historischen Wert“, meint Falke. So mancher Besucher schaut aber vielleicht mehr nach der Streichholzschachtel, einer angebrochenen Schallplatte, der Kondensmilch, die längst ungenießbar sein dürfte. Allesamt tragen sie kyrillische Buchstaben und sind auf dem Gelände gefunden worden. Zur Stendaler Hochschulsammlung gehören auch Schwarz-Weiß-Fotos, die eine oder andere Uniform, Plakate und Propagandawände der sowjetischen Armee sowie zahlreiche Ehrenabzeichen.

An einer Führung über den Stendaler Campus und durch das Museum kann jeder Bürger teilnehmen. Der Rundgang ist für jedermann kostenfrei. Falke bittet aber um Voranmeldung unter Tel. (03931) 21 87 48 25.

Von Marco Hertzfeld

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