Ruhe vor dem Sturm

Jägerschaft Stendal nimmt Schweinepest ins Visier

Schwarzkittel rücken verstärkt ins Fadenkreuz. Sie tragen den ASP-Erreger in der Republik weiter, der auch Hausschweine trifft und fast unweigerlich tötet.
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Schwarzkittel rücken verstärkt ins Fadenkreuz. Sie tragen den ASP-Erreger in der Republik weiter, der auch Hausschweine trifft und fast unweigerlich tötet.

Stendal – Die Jägerschaft Stendal steht wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) Gewehr bei Fuß und schaut besorgt zu den Grenzen Sachsen-Anhalts.

„Chaotische Verhältnisse wie in den Anfangstagen des Ausbruchs der ASP in Brandenburg“ mögen sich doch bitte nicht wiederholen.

Dort seien beispielsweise die Zäune zur Gatterung völlig unzureichend gewesen. Ein erster Fall der Tierseuche in Deutschland wurde im Osten Anfang September gemeldet, seitdem ist sie auf dem Vormarsch. „Die ASP wird um unseren Kreis keinen Bogen machen, es ist nur eine Frage der Zeit“, betont Siegfried Holzinger, Sprecher der 420 Mitglieder zählenden Jägerschaft, gegenüber der AZ. Der stärkere Schulterschluss mit dem Landkreis und dessen Veterinäramt werde tatsächlich schon einige Zeit geübt.

Er spricht für 420 Jäger, Siegfried Holzinger.

„Die Jägerschaft ist bereit, über das übliche Maß hinaus die Jagd auf Schwarzwild zu intensivieren.“ Der Landkreis weise eine sehr hohe Population auf. Wo viel Schwarzwild anzutreffen sei, erlege ein Weidmann in der Saison bis zu 15 Sauen. Die meisten Tiere würden auch bei Ansitzdrückjagden erlegt, im Schnitt 20 bis 30 Exemplare. Das Land zahlt gegenwärtig eine Prämie von 50 Euro für jedes beprobte Stück Fallwild, das Landratsamt übernimmt seit einem Jahr die Rechnung der Trichinenuntersuchung. Holzinger: „Das ist eine gute Unterstützung und wird dankbar begrüßt.“ In Hegeringen und Hegegemeinschaften werde derzeit das Wissen zur ASP aufgefrischt und ausgebaut. Alle wissen: Die Seuche trifft auch Hausschweine, die Landwirtschaft verliert Absatzmärkte und Einnahmen.

Die Beteiligten sollten auf Zack sein. Suchtrupps müssten rechtzeitig gebildet und Sammelstellen für Fallwild gebildet werden können. Veterinäre, Jäger, Landwirte, Naturschützer, Polizei und andere kompetente Personen in Stäben könnten ruhig bereits intensiv trainieren, findet Holzinger. Wo wird entseucht, welche Transportkapazitäten stehen bereit, ist Schutzkleidung eingelagert und wo? Auf diese und weitere Fragen müssen Landkreis und Verbündete im Kampf gegen die ASP Antworten haben. Warntafeln müssten schnell und unkompliziert angebracht werden können und ja, Drohnen sollten bereitstehen und natürlich mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet sein. Der Landkreis Stendal misst 2423 Quadratkilometer und ist durchaus reich an Wald und Flur.

Neben der Jägerschaft Stendal mit Markus Reister an der Spitze arbeiten die Jägerschaften Osterburg und Havelberg. Kerstin Brune, Leiterin des Veterinäramtes, dürfte allesamt wappnen und möglichst aktuell informieren wollen. Mitte Oktober habe sie vor dem erweiterten Vorstand der Jägerschaft Stendal zum Stand der Vorbereitungen gesprochen. „Hier wurden auch Tupfer und Röhrchen für Schweißproben verteilt. Eine ganz wichtige Problematik für Einschränkung ist die Beprobung von Fallwild und krankem Schwarzwild. Bei gesundem Schwarzwild muss eine Schweißprobe abgegeben werden“, erläutert Holzinger, der in Uenglingen lebt und in der Umgebung auf die Jagd geht. Ganz klar: Auf die Jägerschaft kämen wichtige Aufgaben bei der Bekämpfung der ASP zu.

Der Landkreis sei sehr aktiv, Jagdbehörde und Veterinäramt noch einmal besonders, meint Holzinger. Informationsmaterial und Utensilien für Proben seien bereitgestellt, persönliche Konsultationen zu Fachfragen angeboten, Teile für die Gatterung einsatzbereit im Lager. Und der ganz normale Einwohner, was kann der tun? Der Sprecher der Jägerschaft muss nicht lange überlegen: Jeder Bürger habe nach dem Gesetz die Pflicht mitzuhelfen, auftretende Seuchen einzudämmen. Jogger, Wanderer, Pilzesucher, Waldbesitzer oder wer auch immer sollte totes oder krankes Wild dem zuständigen Jagdpächter oder der Polizei melden. Und natürlich: Müll, Essensreste und tierische Abfälle hätten nichts in der Natur zu suchen. Erreger der ASP könnten übertragen werden. VON MARCO HERTZFELD  

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