Verfassungsschutz sieht wachsende Zahl von Salafisten und Gefahr für die religiösen Gemeinden

„Islamisten über das Land verteilt“

Offenbar wächst ihr Einfluss: Ein Islamist verteilt in Norddeutschland kostenlose Koran-Exemplare an Passanten.
+
Offenbar wächst ihr Einfluss: Ein Islamist verteilt in Norddeutschland kostenlose Koran-Exemplare an Passanten.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
    schließen

Altmark. Anhänger des Islamismus scheinen auf dem Vormarsch. Aus Sicht des Verfassungsschutzes werden die Vernetzungen sachsen-anhaltischer Islamisten mit denen anderer Bundesländern zunehmen.

Gleiches gelte für die bislang im Land nur vereinzelt festgestellte versuchte Einflussnahme auf islamische Gemeinden, wie sie beispielsweise auch in Stendal und Salzwedel existieren. „Die im Fokus der Sicherheitsbehörden stehenden Islamisten sind über das gesamte Land verteilt“, informiert Nancy Eggeling, Sprecherin des Innenministeriums. Eine auffällige Ballung im Sinne eines örtlichen Schwerpunktes sei gegenwärtig weder für die Altmark noch für den Rest des Landes festzustellen. Dass islamische Gemeinden in der Region irgendwelche extremistischen Bestrebungen aufweisen, dafür lägen derzeit „keine tatsächlichen Anhaltspunkte“ vor. Im Klartext: Die Sicherheitsbehörden geben sich überall und für alles gewappnet.

Die Salafisten seien mit Abstand die zahlenmäßig größte islamistische Gruppierung. „Die Zahl der in Sachsen-Anhalt wohnhaften Salafisten bewegt sich im mittleren zweistelligen Bereich mit steigender Tendenz.“ Zum Vergleich: Bundesweit gebe es über 9000 Salafisten. „Wobei die reinen Zahlen keinen unmittelbaren Rückschluss auf die von Salafisten auf die Bevölkerung unseres Landes ausgehenden Gefahren zulassen“, meint Eggeling. Das Spektrum umfasse zwei Strömungen, den jihadistischen und den politischen Salafismus. „Jihadistische Salafisten fordern Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihrer Ziele. Politische Salafisten vermeiden offene Aufrufe zur Gewalt; sie wollen die Gesellschaft von innen heraus durch Missionierung islamkonform umgestalten.“ Beiden Strömungen gemein seien die ideologischen Grundlagen und die grundsätzliche Befürwortung von Gewalt, wodurch die Übergänge durchaus fließend seien. „Die in Sachsen-Anhalt ansässigen Salafisten sind vorrangig dem politischen Salafismus zuzurechnen.“

Sachsen-anhaltische Islamisten seien teilweise auch von dem im November 2016 vom Bundesinnenminister verbotenen Verein „Die Wahre Religion“ beeinflusst worden. In Einzelfällen seien zudem Verbindungen zum „Islamischen Staat“ (IS) feststellbar. Wie die genau aussehen, darauf geht Eggeling nicht ein. An islamistischen Zusammenschlüssen habe der Verfassungsschutz neben den bereits genannten Gruppen die Muslimbruderschaft, „Tablighi Jamaat“, eine sunnitisch-islamische Frömmigkeits- und Missionsbewegung, sowie die „Nordkaukasische Separatistenbewegung“ im Blick. Die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD) sei die zentrale und wichtigste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in der Bundesrepublik und aus diesem Grund Gegenstand der Informationssammlung.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare