Fachausschuss will Parkplatz in Toplage lieber ausbauen

Baulücke: Stendaler Investor in Defensive

Der Parkplatz Brüderstraße in Stendal ist voller Fahrzeuge.
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Ein Drittel des zentralen Parkplatzes in Stendal. Von früherer Bebauung zeugen Wände rechts. Das provisorisch wirkende Areal bricht zudem den hinteren und vorderen Straßenzug.
  • Marco Hertzfeld
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Was aus dem Gelände in Toplage werden soll, darüber diskutieren Politik und Verwaltung schon länger. Eine Ratsfraktion möchte den Parkplatz Brüderstraße in Stendal nun lieber ausbauen. Ob doch noch ein Investor zum Zuge kommt, bleibt abzuwarten.

Stendal – Der eher wüste Parkplatz nahe dem Marktplatz in Stendal soll 2022 ausgebaut, ein Verkaufsverfahren, das nicht zuletzt auf Wohnungsbau zielt, gestoppt werden. So wünscht es sich jedenfalls die Fraktion FSS/BfS. Ihr Vorschlag hat im Ausschuss für Stadtentwicklung eine Mehrheit von sechsmal Ja bei einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen bekommen. Inwieweit das wirklich ein Fingerzeig ist, bleibt abzuwarten. Setzen sich Freie Stadträte Stendal und Bürger für Stendal weiter durch, wäre ein Lückenschluss vom Tisch. Wobei nach einer Ausschreibung dazu und eingereichten Konzepten zweier potenzieller Bauinvestoren durch die Stadtverwaltung bislang ganz offensichtlich auch nicht unbedingt ausreichend nachverhandelt worden sei, merkte Ausschussvorsitzender Dr. Henning Richter-Mendau (CDU/Landgemeinden) am Abend des 23. Juni 2021 kritisch an.

Wolfgang Eckhardt und Dirk Lippmann machten aus ihrem Herzen ebenfalls keine Mördergrube. Auf die 70 innerstädtischen Parkplätze könne schlichtweg nicht verzichtet werden. Auch seien die gut 2200 Quadratmeter (kein halbes Fußballfeld) zwischen Brüderstraße und Deichstraße wichtig als Abstellraum nicht zuletzt bei städtischen Veranstaltungen. Die Verwaltung möge bis Ende September eine Planung vorlegen. Die Flächen sollen befestigt und ausreichend begrünt werden. Zudem ist in dem Papier von zehn Ladestationen für Elektroautos die Rede. Entscheiden können soll über den Antrag ihrer Fraktion der Haupt- und Personalausschuss, er befasst sich am 30. Juni damit. Der Parkplatz im Zentrum ist tagsüber unter der Woche fast immer voll besetzt.

Momentan sind die Grundstücke noch mit einem Bebauungsplan von 2006 belegt, der insbesondere ein Parkhaus vorsieht, hieß es von einem Mitarbeiter der Verwaltung. Versuche, das Areal an den Mann oder die Frau zu bringen und über den recht spröden Parkplatz hinaus zu entwickeln, sind in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, immer wieder gescheitert. Eine konzeptbezogene Ausschreibung 2020 zielt eben auf einen Lückenschluss, auf Wohnbebauung und auch Fahrzeugstellplätze, wenn auch weniger. Ob die Messe hier tatsächlich gesungen ist, so richtig klar ist das an diesem Abend nicht geworden. Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum gab sich eh auffallend gelassen: „Im Moment ist es so, der Parkplatz ist da, er sieht nicht schön aus, aber er erfüllt den Zweck.“ Und: „Manche Dinge brauchen eben Jahre.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld:
Dass Politik und Verwaltung ihren Gestaltungswillen offenbar sonst wo parken, darf einem allmählich auf den Zeiger gehen. Ob die offene Wunde sich nun ganz pragmatisch zu einem modernen Parkplatz wandelt oder städtebaulich wertvoll mit Fassaden geschlossen wird, kann doch keine Frage für übermorgen sein. Ausgerechnet im Herzen der Stadt, wo nun auch 2022 beim Sachsen-Anhalt-Tag mit einigen Hunderttausend Besuchern gepunktet werden soll, zeigt sich Stendal derart hässlich, wüst und unaufgeräumt. So hoch lassen sich die Autos dort gar nicht stapeln, um das alles zu verdecken.

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