Politik regelt Arbeit und Geld für 2020

37 Integrationslotsen im Landkreis Stendal: „Bestandteil der Willkommenskultur“

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Integrationslotsen gibt es vielerorts in Deutschland. Sie können wie hier in Niedersachsen aus Syrien auch aus demselben Land wie die Ratsuchenden kommen.

Stendal – Ehrenamtliche Integrationslotsen für Flüchtlinge in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel soll es weiterhin geben. Um die Fördermittel für 2020 vom Land zu erhalten, muss eine neue Satzung her, wohl mehr eine Formsache.

Das Papier zum Regelwerk der Aufwandsentschädigung bekommt der Kreistag am 19.  September auf den Tisch.

Die Höhe der Kosten scheint mit 28 200 Euro überschaubar, die Bedeutung der Arbeit hingegen beachtlich. „Die Einbindung der Bevölkerung des Landkreises Stendal zur Betreuung und Begleitung ist wichtiger Bestandteil der Willkommenskultur“, heißt es im Beschlussvorschlag aus dem Landratsamt.

Aktuell arbeiten insgesamt 37 dieser Lotsen im Landkreis, 23 davon allein schon in der Einheitsgemeinde Stendal, in der ein Großteil der „nicht dauerhaft aufenhaltsberechtigten Ausländer“, wie es in der Sprache von Behörden heißt, lebt. Vier Integrationslotsen wirken in Tangerhütte und Umgebung, jeweils zwei in Tangermünde, Seehausen, Arneburg-Goldbeck und Elbe-Havel-Land, jeweils einer in Osterburg und Bismark. Das Land verteilt die Fördermittel jedes Jahr neu. Sollte es kein Geld aus Magdeburg geben, soll die Satzung erneut im Kreistag behandelt werden.

Ein Integrationslotse erhält demnach unverändert 50 Euro pro Monat. Darüber hinaus ist in dem Papier die Rede von Ersatz des Verdienstausfalls und Reisekostenvergütung, beides müsse gegebenenfalls genau belegt und nachgewiesen werden. Neben der hauptamtlichen sozialen Beratung und Betreuung sei das ehrenamtliche Engagement eine „wichtige Säule der Unterstützung“ der Menschen. Es gehe um „Orientierung im Lebensalltag“. Und weiter: „Ehrenamtliche Integrationslotsen sollen die erforderlichen Hilfestellungen im Alltagsleben geben und die gesellschaftliche Teilhabe der untergebrachten Personen verbessern.“

Kürzlich fand ein Treffen im Stadtteilbüro Stendal-Stadtsee statt, an dem insbesondere die Koordinierungsstelle Migration des Landkreises und Integrationslotsen teilnahmen. Weitere Mitstreiter seien gern gesehen, heißt es in einer Mitteilung im Internet. Der Landrat oder sein Stellvertreter beruft die Integrationslotsen, sie erhalten eine Ernennungsurkunde. Zudem begleitet die Kreisverwaltung laut Satzung die Flüchtlingshelfer mit Bildungs- und sonstigen Angeboten, eine Fortbildung solle ihnen die Arbeit erleichtern.

Die alte Satzung tritt zum 31. Dezember außer Kraft. Das Betreuungskonzept des Landkreises aus Juli 2016, auf das zumindest in der Beschlussvorlage nicht weiter eingegangen wird, hat weiterhin Bestand. Mehr als eine Million Flüchtlinge, Migranten und andere Schutzsuchende sind seit 2015 nach Deutschland gekommen. Die viel zitierte sogenannte Flüchtlingskrise in der Bundesrepublik erreichte ihren Höhepunkt im Herbst 2015. Damals kamen 60 Flüchtlinge und mehr pro Woche in den Landkreis, nicht zuletzt Menschen aus Syrien. Aktuell leben 2728 Menschen, auch aus anderen Ländern, dort. 2470 davon haben die Erlaubnis zum Aufenthalt beziehungsweise zur Niederlassung, bei 77 ist das Asylbewerberverfahren laut Fachamt noch nicht abgeschlossen (Gestattung), bei 181 ist es abgeschlossen (Duldung).

Auch um in Sachsen-Anhalt für mögliche Umbrüche in der Welt gewappnet zu sein, entsteht in der Kreisstadt Stendal eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Das Land investiert gut 30 Millionen Euro. Spätestens bis 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Projekt ist nicht unumstritten. Vor allem die AfD lehnt es ab. Die selbst ernannte Bürgerbewegung Altmark, die der Verfassungsschutz der rechtsextremistischen Szene zuordnet, demonstrierte mehrmals auf der Straße gegen das Vorhaben, blieb dabei aber weitestgehend unter sich.

VON MARCO HERTZFELD 

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