Landesvertreter informierten gestern über Probleme bei der Wohnungssuche

Insel: Sorge vor erneuter Eskalation

Insel beschäftigt die Landesregierung seit Wochen. Auch Innenminister und Justizministerin sind involviert. Foto: ct-press/Archiv

Magdeburg/Insel. Die Sorge, dass die Situation in der Gemeinde Insel erneut eskaliert, ist nicht vom Tisch. Eine neue Unterkunft für die im Ort lebenden, ehemals sicherungsverwahrten Männer ist noch nicht gefunden.

Im Vorfeld einer öffentlichen Versammlung vor Ort informierte der Staatssekretär im Landesjustizministerium, Eberhard Schmidt-Elsäßer (SPD), gestern über die Probleme bei der Wohnungssuche.

Es seien sowohl durch das Ministerium, als auch durch die Kirche, zahlreiche Varianten der Unterbringung, sowohl in Wohnungen, als auch in sozialen Einrichtungen geprüft worden. Dabei gehe es nicht nur um die Unterkunft an sich, sondern auch um das für eine Resozialisierung erforderliche Umfeld. Bisher habe es kein seriöses Angebot gegeben. Die meisten Vermieter schreckten aus Angst vor dem öffentlichen Aufsehen zurück, einige wenige wollten die Situation sogar ausnutzen, um desolate, eigentlich nicht vermietbare „Wohnungen“ an den Mann zu bringen. Es habe sich sogar jemand aus Hamburg gemeldet, der ein „Haus in toleranter Umgebung“ zum Preis von 260000 Euro zum Kauf angeboten habe.

Ein Identitätsswechel (Ausstattung mit neuen Namen und Papieren) und die anonyme Ansiedlung an einem unbekannten Ort komme nicht infrage, so der Jurist. Das sei rechtlich nicht möglich. Zudem würde man dann genau den Vorwurf einer Nacht-und-Nebelaktion bestätigen. Die Kritik, an den Behörden, die die Bürger in Insel nicht über die neuen Nachbarn nicht informiert hatten, wies der Staatssekretär erneut zurück. Das sei laut Gesetz nicht vorgesehen, zumal die beiden nach Baden-Württemberg entlassen worden waren und erst später nach Sachsen-Anhalt umgezogen sind. Der Vermieter habe, nicht nur Bescheid gewusst, sondern das Vorhaben aus gut gemeinten Beweggründen sogar initiiert. Die Betreuung durch Mitarbeiter des sozialen Dienstes sei von Anfang an erfolgt und die Männer würden sich auch strikt an ihnen erteilte Auflagen halten. Eine Gefahr gehe von den Männern nicht mehr aus, zumal der ältere der Beiden schwer krank sei.

Schmidt-Elsäßer zeigte sich besorgt über die Eskalation des Konflikts und enttäuscht darüber, dass die kommunalen Verantwortlichen nicht sofort das Gespräch mit den Fachleuten gesucht hätten, als die Sorgen vor Ort aufkamen. Zu den ersten Versammlungen sei kein Vertreter des Justizministeriums eingeladen gewesen. Davon habe man erst auf Nachfrage der Altmark-Zeitung erfahren.

Nun gehe es darum, deeskalierend zu wirken und den Menschen in Insel die Ängste zu nehmen bis eine abschließende Lösung gefunden ist. Eine große Verantwortung dabei trage Ortsbürgermeister Alexander von Bismarck.

Von Christian Wohlt

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