Stendal will in Sachsen-Anhalt Vorreiter sein

Inklusives Projekt in Stendal: Spielplatz kostet geschätzt 300.000 Euro

Arbeiter setzen neue Geräte auf den Spielplatz nahe dem Schwanenteich in Stendal.
+
Der Spielplatz nahe dem Schwanenteich im Ostpark ist im Frühjahr 2017 größer erneuert worden. Die Spielgeräte damals kosteten etwas mehr als 15.000 Euro. Die Tobezone im Grünen gilt bei den Familien in Stendal als besonders beliebt.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
    schließen

Stendal soll das Zeug zur Inklusion haben und sogar Vorreiter in Sachsen-Anhalt sein. Ein inklusiver Spielplatz ist geplant. Kinder mit und ohne Behinderung könnten dort gemeinsam spielen. Das ambitionierte Projekt hat seinen Preis. Von gut 300.000 Euro ist bislang die Rede.

Stendal – Stendal bekommt einen inklusiven Spielplatz. Das scheint schon fast ausgemachte Sache, auch wenn der Weg noch lang und steinig erscheint und der Standort unklar. Eine Anlage in Hamburg mit einer gewissen Vorbildfunktion habe sieben Jahre gebraucht und 380.000 Euro gekostet, berichtete Silke Pidun, Leiterin des Amtes für Technische Dienste. Für ein Angebot in Stendal könnten um die 300.000 Euro nötig sein. Den Stein ins Rollen bringt ein Antrag der Fraktion SPD/FDP/Ortsteile, der vier Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen erhalten hat, ein Bekenntnis. Dass es noch ein geändertes Papier mit wesentlichen Punkten geben muss, ist allen Beteiligten klar. Es geht nicht zuletzt um die Umsetzung und wichtige Details.

Das Adjektiv inklusiv gehört zur Wortfamilie Inklusion und beschreibt somit die gleichberechtigte Teilhabe an kulturellen oder pädagogischen Angeboten für alle. Dr. Wiebke Bretschneider, eine ausgewiesene Fachfrau in Sachen inklusive Bildung, durfte als Gast im Ausschuss für das Vorhaben werben. Von einem solchen Spielplatz profitieren können sollen Kinder mit Einschränkungen, etwa die mit Sehbehinderung und jene im Rollstuhl. Gedacht werde natürlich auch an Eltern und Großeltern mit Beeinträchtigungen. In ganz Sachsen-Anhalt gebe es aktuell keinen inklusiven Spielplatz, in Deutschland 27 Anlagen. „Stendal könnte einmal Vorreiter sein, das ist es ja leider nicht so oft.“

Dass der Spielplatz am Schwanenteich im Ostpark umgebaut wird und das bis zum Herbst 2022, scheint vom Tisch. Der ursprüngliche Antrag sieht das noch so vor. Dieser Standort werde nicht für sonderlich geeignet gehalten, fasste Ausschussvorsitzender Dr. Henning Richter-Mendau (CDU) auch die Diskussion anderer Gremien des Stadtrates in dieser Woche zusammen. Bretschneider, Wissenschaftlerin an der Hochschule Magdeburg-Stendal, verwies an diesem Abend auf zwei weitere Punkte, die geändert oder zumindest überdacht werden sollen, die Frage einer Prioritätenliste weiterer baulicher Inklusionskandidaten und den Zeitraum der Umsetzung, der wohl länger gefasst werden dürfte. Was genau das letztendlich bedeuten kann, bleibt abzuwarten.

Bretschneider machte zudem auf den Landesaktionsplan „Einfach machen. Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft“ und Fördermittel aufmerksam. Die „Aktion Mensch“ eröffne ebenfalls einige Möglichkeiten. Wer es nicht weiß: Land und Kommunen erwachsen bestimmte Verpflichtungen. Auch der Ausgangsantrag der Fraktion SPD/FDP/Ortsteile zeigt auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Kinder mit Handicap sollen gleichberechtigt alle Menschenrechte und Freiheiten genießen können. Ganz praktisch gehe es nun insbesondere um die Zugänglichkeit eines Spielplatzes und die Auswahl der Geräte. Eine Kunststofffläche etwa mache es einer Person mit Gehbock einfacher als Sand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare