Hanse soll nicht mehr reichen

Weiterer Zusatz: Hochschulstadt Stendal

Auf einem fiktiven Ortsschild steht Stendal Hochschulstadt
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Beides hätte Platz: „Stendal Hochschulstadt“ steht auf einem fiktiven Ortsschild. Sollte es zur Änderung kommen, dürfte die „Hanse“ im Namen nicht verloren gehen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Stendal ist Kreisstadt, Rolandstadt und im Namen ganz offiziell Hansestadt. Nun soll der Zusatz um die Hochschule erweitert werden. Der Stadtratsvorstand greift eine Idee des Prorektors auf.

Stendal – Stendal könnte in Zukunft tatsächlich den Namenszusatz „Hochschulstadt“ tragen. Die Initiative aus der Hochschule vom Herbst 2019 erreicht den Stadtrat. Es ist der Ratsvorstand aus Peter Sobotta (FSS), Rita Antusch (SPD) und Christel Güldenpfennig (CDU) höchstselbst, der dem Oberbürgermeister bei einer Mehrheit einen Prüfauftrag erteilen möchte. Das Stadtparlament befasst sich am 31. Mai mit dem Papier. Der Stadtrat „befürwortet grundsätzlich die Idee“ heißt es im Beschlussvorschlag. Inwieweit das Trio ausreichend Zustimmung bekommen wird, bleibt abzuwarten. Es geht um Selbstverständnis und Identität einer Stadt, auch wenn Namen ja angeblich Schall und Rauch sein sollen.

Ein Schild weist die Richtung zum altmärkischen Teil der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Ratsvorstand greift Idee des Prorektors auf

„Hansestadt Stendal“ lautet derzeit die offizielle Bezeichnung, fortan könnte es „Hochschul- und Hansestadt Stendal“ oder alternativ „Hanse- und Hochschulstadt Stendal“ sein. Die Hochschule habe in dieser Sache bereits Kontakt zu den Fraktionen aufgenommen und auf andere Städte und Vorbilder verwiesen, heißt es im Begründungstext. Mit einem solchen Zusatz könne der Hochschulstandort auch gestärkt und abgesichert werden. Durch ein Ja wäre noch kein endgültiger Beschluss zur Umbenennung erreicht, aber schon einmal ein Bekenntnis. Zeitfaktor, Kosten und fällige Genehmigungen sollen von der Verwaltung schon einmal im Vorfeld und vor der nötigen Bürgerbefragung betrachtet werden.

Neuer Zusatz womöglich schon zum Sachsen-Anhalt-Tag

Ob eine Umbenennung noch vor dem Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal möglich wäre, auch darauf soll die Verwaltung erste Antworten finden. Ein neuer Name bis zum Landesfest im Juli 2022 könnte jedenfalls einen „Aufmerksamkeitsschub bedeuten“, glauben die drei Kommunalpolitiker. Aber natürlich: Veränderungen haben ihren Preis. Ortsschilder müssten angepasst, Computertechnik umgestellt und eben die Bürger vorher befragt werden. Für Wahlkampfzwecke eigne sich das Thema nicht, glauben Sobotta und Mitstreiter. Die Rede ist von einer „neutralen Initiative“ und der „Hoffnung auf eine breite, fraktionsübergreifende Zustimmung“ und von einem dann möglichen „gemeinsamen Antrag“.

Prüfauftrag, Kosten und Bürgerbefragung

Spätestens seit Oktober 2019 hat die Idee das Studierzimmer verlassen. Prof. Dr. Volker Wiedemer, seit April 2018 Prorektor in Stendal, kratzte damals im Gespräch mit der AZ am Ortsschild. Der Akademiker wünscht sich die Hochschulstadt auf die gelben Tafeln. Hansestadt und Hochschulstadt müssten einander ja nicht ausschließen, auch das sagte er. Fakt sei aber ebenfalls, dass sich Städte, die eine Hochschule haben, besser entwickelten als jene ohne. Und dieses Potenzial müsse eben auch gezeigt und genutzt werden. Mehr als 200 Hochschulstädte gibt es in der Republik. Dass dies gerade in Süddeutschland zu einer gewissen Namensschwemme geführt hat, dürfte auch der gebürtige Baden-Württemberger wissen. Die akademische Landkarte Sachsen-Anhalts scheint nicht übervoll.

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