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Impfpflicht: Landkreis Stendal wartet auf Antworten

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Von: Stefan Hartmann

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Corona-Impfung
Ab dem 16. März gilt eine bundesweite Impfpflicht für Berufstätige im Gesundheitswesen. © Christoph Schmidt

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht rückt näher. Mit einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems müsse nicht gerechnet werden, aber es gebe Fragen zur Umsetzung. Ein Teil der Lösung könnte der Impfstoff Novavax sein. 

Stendal – Am 16. März soll es soweit sein: Die Impfpflicht für Beschäftigte in Medizin- und Pflegeberufen tritt in Kraft. Erst kürzlich informierte das Landesverwaltungsamt darüber, dass ein Beschluss im Kreistag, beispielsweise mit einem Einwohnerantrag herbeigeführt, nicht dazu in der Lage ist, den Vollzug der Impfpflicht durch das Kreisgesundheitsamt zu verhindern (AZ berichtete). Trotz der Klarheit in dieser Sache, gibt es noch weitere Punkte, die die den Landkreis vor ein Rätsel stellen.

„Noch ist vieles ungeklärt“, sagte Landrat Patrick Puhlmann (SPD) bei einer Pressekonferenz am Montagvormittag. So gebe es einerseits die klare gesetzliche Vorgabe, dass es eine einrichtungsbezogene Impfpflicht geben wird. Andererseits muss der Landkreis die Gesundheitsvorsorge sicherstellen. „In diesem Spannungsfeld werden wir uns bewegen müssen“, stellt Puhlmann fest. Gemeinsam mit den anderen Landkreisen in Sachsen-Anhalt sei um Klärung dieses Problems gebeten worden, denn beide könnten nicht gleichzeitig vollumfänglich umgesetzt werden. Genaue Zahlen zur Impfquote in medizinischen Berufen gebe es bislang nicht. Entsprechende Schätzungen gehen weit auseinander. Aber bereits relativ geringe Annahmen von zehn oder 15 Prozent ungeimpften Mitarbeitern bedeute eine „nicht unerhebliche Zahl von Mitarbeitern“, die von dem Betretungsverbot ihrer Arbeitsstätte betroffen sein werden. Weltuntergangsstimmung will der Landrat jedoch nicht aufkommen lassen. „Einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems wird es nicht provozieren.“

Dennoch müsse geklärt werden, wie mit dem Dilemma umzugehen ist. Es sei eine Zumutung, diese Entscheidung den jeweiligen Gesundheitsämtern zu überlassen, die unter Umständen zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen. „Eins muss priorisiert werden. Und es darf nicht davon abhängen, ob man im Landkreis Stendal oder Börde unterwegs ist.“

Wie sich die Impfsituation bis Mitte März weiterentwickeln wird, ist mit einem weiteren Faktor zusätzlich unklarer geworden. Voraussichtlich ab Ende Februar wird mit „Novavax“ ein neuer Corona-Impfstoff in der Bundesrepublik und damit auch im Landkreis verfügbar werden. Zumindest ein Teil der Impfskepsis bezieht sich auch auf die relativ neuen mRNA-Technologie, die in den Corona-Impfstoffen Verwendung findet. Technisch gesehen handelt es sich bei Novavax nicht um einen Totimpfstoff, wie er von der Grippeimpfung bekannt ist, sondern um einen auf Proteinbasis. Damit funktioniert er ähnlich wie die seit Jahrzehnten angewandten Impfstoffe gegen die Grippe. Besondere Regeln für die Verteilung des Impfstoffes gebe es bislang nicht, erklärt Puhlmann. Unter Umständen werde es jedoch Vorgaben geben, welche Personengruppen damit voranging zu impfen seien. Derzeit werde beispielsweise diskutiert, ob Novavax zunächst Personen, die in Medizin- oder Pflegeeinrichtungen arbeiten, angeboten werden sollte.

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