„Wollen nicht die Heimat nehmen“

Immobilienstiftung sieht ihr Großprojekt in Vinzelberg auf gutem Weg

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Die Ortschaft Vinzelberg hat etwas mehr als 200 Einwohner. Größere Veränderungen kündigen sich an.

Vinzelberg – Skepsis bei den Alteingesessenen? Olaf Finger schüttelt den Kopf. Misstrauen? „Schon gar nicht. “ Der Generalbevollmächtigte der Home & Car Energie Solution (HCES) sieht das Großvorhaben in Vinzelberg auf einem guten Weg.

„Wir wollen den Ort nicht umkrempeln und werden den Menschen nicht die Heimat nehmen, sondern sie vielmehr mit ins Boot holen“, möchte der Betriebswirt dann aber doch betont wissen. Spätestens im November soll die Unternehmung das Stiftungszeichen erhalten und die Immobilienstiftung damit so richtig handlungsfähig sein. Mitte Juli war noch von September die Rede.

In den nächsten zehn Jahren will HCES in der Stendaler Ortschaft mindestens 120 Wohnungen schaffen. Der Bedarf sei groß, die Nachfrage schon jetzt riesig. Neben den Wohnanlagen sind eine Arztpraxis, eine Kanzlei, ein Supermarkt und anderes mehr im Gespräch. 20.000 Quadratmeter sollen bereits gekauft und für die ambitionierten Pläne zur Verfügung stehen, das entspricht fast drei Fußballfeldern. Erste Bauvoranfragen zu Grundstücken in Vinzelberg hätten die Genehmigungsbehörde in Stendal erreicht. Wenn es grünes Licht gibt, sieht Finger die ersten beiden Objekte der Stiftung am 1. Oktober 2020 fix und fertig stehen.

Es geht um Immobilien und Eigentum und, das scheint Finger mindestens genauso wichtig, um Klimaschutz und ökologische Bauweise mit eigener Energieproduktion für Strom und Heizung. Der Generalbevollmächtigte nennt das Selbstversorgerprinzip. Das Wort Car für Auto hat die Stiftung im Namen. Alle Stellplätze an den Wohnungen sollen Ladestationen für Elektro-Autos bekommen. Einer von vier Bauabschnitten dreht sich um altersgerechtes Wohnen. Auch Schwerstpflegefälle sollen in einer Seniorenanlage ein Zuhause finden. Finger hat nach eigenem Bekunden eine medizinische Ausbildung und mehr als 15 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet.

Die Idee für alles stamme von ihm. Das Stiftungsmodell garantiere Gemeinschaft, Wachstum im beschriebenen Sinne und finanzielle Sicherheit. Eine GmbH beispielsweise sei für diesen Ansatz nicht besonders gut geeignet. „Hinter der Idee stehen Herrschaften, die nicht namentlich in Erscheinung treten wollen“, sagt Finger im AZ-Gespräch weiter. Bei den potenten Partnern handele es sich nicht zuletzt um Hersteller von Fertighäusern. Aber warum gerade Vinzelberg? Der Stiftungsvertreter, der sein Büro nach eigenen Angaben derzeit im nordrhein-westfälischen Gütersloh hat, sieht viel Platz und Potenzial.

Spielen Ämter und das Wetter mit, könnten die Bauarbeiten im Frühjahr starten. Die HCES will vor allem Handwerker aus Stendal und Umgebung mit den Aufgaben betrauen. Im Übrigen sucht Finger noch zwei bis drei Hektar Land im Raum Stendal, die sich für gewerbliche Zwecke nutzen lassen. Tiefer lässt sich der Westdeutsche da noch nicht in die Karten schauen. Nächstes Ziel sei erst einmal die endgültige Gründung der Stiftung. „Die Anmeldung läuft, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Das erklärte Ziel ist und bleibe „ein neues und modernes Vinzelberg zusammen mit den Einwohnern“.

VON MARCO HERTZFELD

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