Rasanter Anstieg der „Kleinen Waffenscheine“ im Landkreis / Polizei warnt vor Gebrauch

Immer mehr wollen bewaffnet sein

„Kleine Waffenscheine“ sind gefragt wie nie. Foto: dpa
+
„Kleine Waffenscheine“ sind gefragt wie nie. Foto: dpa

Stendal. Die Ostaltmärker rüsten auf: Der „Kleine Waffenschein“ ist im vergangenen Jahr insgesamt 352 Mal beim Ordnugsamt des Landkreises Stendal beantragt worden. 345 wurden genehmigt.

Ein Vergleich: Im Jahr 2015 wurde die Waffenbesitzkarte insgesamt 38 Mal und 2014 zehnmal beantragt. Der „Kleine Waffenschein“ befähigt dazu, eine Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit zu tragen. Gekauft werden kann diese von jedem, der volljährig ist. Durch einen Knall und Mündungsfeuer soll sie Angreifer abschrecken und Helfer informieren. Soweit die Theorie.

„Wir raten grundsätzlich davon ab, sich irgendwie zu bewaffnen“, sagt Marco Neiß, Pressesprecher der Polizei Stendal. „Schreckschusspistolen sind unhandlich, schwer und selten griffbereit. Wenn die Nutzer nicht mit dem Umgang vertraut sind, können sie sich damit nicht verteidigen.“ Daher würden sich die Gefahren eher erhöhen.

Zuspruch erhält Neiß von Harald Karmer, Präsident des Schützenvereins „Diana“ in Stendal. Der Verein bietet Interessierten an, ihnen den Umgang mit Schreckschusspistolen zu zeigen und über Gefahren aufzuklären. Bisher habe das aber noch niemand genutzt. „Es ist ein heikles Thema. Kaum jemand äußert sich vernünftig dazu“, sagt Karmer. Bei falschem Gebrauch könne man nicht nur sich selbst, sondern auch sein Gegenüber erheblich verletzen. „Ist der Abstand zu gering, kann man damit sogar jemanden töten“, sagt Karmer.

Er verstehe das durchaus, die Nachrichten gäben dazu Anlass. „Aber ich halte nichts von den Dingern“, sagt Karmer. Auch ließe sich nur schwer unterscheiden, ob es eine scharfe Waffe ist oder eine Schreckschusspistole – was die Gefahr erhöhe.

Der Trend zur Waffe in der Öffentlichkeit steigt rasant. Aktuell liegen dem Ordnungsamt seit Jahresbeginn bereits 19 Anträge vor, sieben davon wurden genehmigt. „Wir empfehlen, Gefahrensituationen zu vermeiden statt eine Waffe zu tragen. Das heißt: Nicht allein im Dunklen in unbekannten Gegenden unterwegs sein, im Ernstfall gezielt um Hilfe rufen oder Mitmenschen darum bitten“, sagt Marco Neiß. Wer sich bewusst umschaue und seine Lage ehrlich bewerte, sei sicherer unterwegs als mit einer Waffe, deren Gebrauch nicht vollständig klar sei.

Von Gabriela Grau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare