Gesetz macht Stendal zum Erst-Einreise-Jugendamt für unbegleitete minderjährige Asylsuchende

Immer mehr junge Flüchtlinge kommen nach Stendal

Stendal. Insgesamt 275 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (UMF) leben momentan im Landkreis Stendal, darunter lediglich 16 Mädchen. Diese Zahl nannte Kathrin Müller, Leiterin des Kreis-Jugendamtes, im Rahmen der gestrigen Integrationskonferenz im Landratsamt.

Sie übte in diesem Zusammenhang Kritik an der Gesetzgebung.

Bis Ende Oktober 2015 war es so, dass die minderjährigen Alleinreisenden dort betreut wurden, wo ihre Identität zuerst festgestellt wurde. „Stendal liegt mitten in Deutschland und war bislang kein Erst-Einreise-Jugendamt“, so Müller. Seit dem 1. November 2015 gilt das Prinzip der „vorläufigen Inobhutnahme“. Konkret heißt das: Kommt ein UMF in Bayern an, so kann er von dort ohne weitere Untersuchungen an ein anderes Jugendamt überstellt werden. „Somit ist Stendal jetzt ein Erst-Einreise-Jugendamt geworden, wenn auch nicht ganz freiwillig“, sagt Müller, die im Landkreis für die gesundheitliche Erstversorgung, die Verteilung und teils auch für die Vormundschaft der UMF verantwortlich ist.

„Die Zahl der UMF wird sich in der nahen Zukunft nicht verringern“, berichtete Landrat Carsten Wulfänger, „denn wenn sie hier keine Familie haben, wo sollen sie dann bleiben?“ Sie bleiben dann unter anderem in DRK-Kinderhäusern, wie deren Leiterin Birgit Schleinig sagte. „Wir müssen dafür sorgen, dass keine Langeweile aufkommt, weil es bei den Jugendlichen sonst zu Depressionen oder kriminellen Handlungen kommen kann“, betonte Schleinig.

In ganz Deutschland leben momentan 67 642 unbegleitet reisende, minderjährige Flüchtlinge. Auf Sachsen-Anhalt verteilen sich 1017 junge Asylsuchende.

Von Mike Höpfner

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare