Neue flugwissenschaftliche Heimat

Idaflieg zum zweiten Mal auf Flugplatz Borstel: Meilenstein geglückt

Erfolgreicher Probeflug: Der von Stuttgarter Studenten gebaute Motorsegler FS-35 schleppt ein Segelflugzeug in den Himmel.
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Erfolgreicher Probeflug: Der von Stuttgarter Studenten gebaute Motorsegler FS-35 schleppt ein Segelflugzeug in den Himmel.

Borstel – Bereits zum zweiten Mal ist der Verein Idaflieg (Interessengemeinschaft Deutscher Akademischer Fliegergruppen) auf dem Borsteler Flugplatz zu Gast.

Bereits seit bald 100 Jahren kommen Mitglieder des 1922 gegründeten Vereins jährlich zu ihrem Sommertreff zusammen, um neue Technologien zu erproben. Seit vergangenem Jahr haben sie dabei ihre „neue Heimat fürs wissenschaftliche Fliegen“ in Borstel gefunden, wie Vereinbeisitzerin Tessa Weigelt im AZ-Gespräch berichtet.

2019 konnte der sonst benutzte Flugplatz nicht genutzt werden. Auf den Hinweis von Berliner Studenten, die teilweise in Borstel fliegen gelernt hatten, wurde dann der Flugplatz in der Ortschaft entdeckt. Mit Hallenstellplätzen für die Prototypen, genug Raum für Werkstattarbeiten biete Borstel eine „extrem gute Infrastruktur“. „Die Flughafenbetreiber tun alles Mögliche, um uns zu unterstützen“, erklärt Weigelt. „Wir werden nächstes Jahr wiederkommen.“

Die Studenten, die überwiegend Maschinenbauer, Luft- und Raumfahrttechniker, aber auch Biologen und Pädagogen sind, fliegen nicht nur zum Spaß über die Hansestadt. Mit eigenen Projekten und Prototypen versuchen sie, die Luftfahrt voranzubringen – und auch erschwinglicher zu machen. Die FS-35 beispielsweise ist ein von Stuttgarter Studenten gebauter Motorsegler, der für das Schleppen von Segelflugzeugen konstruiert wurde. Dabei erreicht er eine Steigleistung von bis zu sechs Metern pro Sekunde bei halbem Kraftstoffverbrauch bei herkömmlichen Schleppern. „Das ist im oberen Bereich“, erklärt Weigelt für nicht Luftfahrtkundige. Üblich seien Steigraten von zwei bis drei Metern – unter guten Bedingungen auch drei bis vier. Am Donnerstag erfolgte mit dem ersten Schleppstart der FS-35 auch ein Meilenstein. Jetzt würden die Ergebnisse quantifiziert, um Leistung, Kraftstoffverbrauch und Lautstärke zu optimieren. Ergebnisse werden für das Wintertreffen der Idaflieg erwartet.

Ein weiteres Projekt ist die FVA-29. Ein Segelflugzeug mit elektrischer Heimkehrhilfe, einem ausklappbaren Propeller. Es soll einen direkten Beitrag zur Sicherheit im Flugverkehr leisten und Erkenntnisse zur Verwendung von Elektromotoren und Akkus in Flugzeugen bringen. Diese hätten einige entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen. „Es ist ein einfacheres Gesamtsystem“, erläutert Weigelt. Nichtelektrische Antriebe hätten deutlich mehr Einzelteile, seien aufwendiger in der Wartung. Dafür werden sie beim Fliegen leichter, da der Tank geleert wird. Mit der FVA-29 und ihrem Nachfolger der FVA-30 mit Hybridmotor, mit der sich die Aachener Studenten befassen, sollen Erfahrungen mit dem elektrifizierten Flug gemacht werden. Sowohl im Hinblick auf die Eigenschaften in der Luft, als auch auf Bau und Wartung.

Genaue Planungen zum 2022 anstehenden hundertjährigen Bestehen des Vereins gebe es noch nicht, wie Weigelt berichtet. Vermutlich werde das Jubiläum im Deutschen Segelflug Museum auf der Wasserkuppe in Hessen, das die historische Heimat des Vereins ist, stattfinden. Aber auch für das Sommertreffen in Borstel werde sich der Verein wahrscheinlich etwas besonderes ausdenken, sagt Weigelt.  VON STEFAN HARTMANN

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