Thema Wolf: Kreisbauernverband will nach Ministeriumsbrief eine Allianz bilden

„Ich war richtig erschüttert“

„Wir sind nicht gegen den Wolf“, ist eine der Kernaussagen des KBV. Ein Schreiben des Umweltministeriums droht Landwirten nun mit Sanktionen, anstatt sie im Umgang mit dem Wolf zu unterstützen. Der Ärger ist vorprogrammiert. Fotos: dpa/AZ-Archiv
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„Wir sind nicht gegen den Wolf“, ist eine der Kernaussagen des KBV. Ein Schreiben des Umweltministeriums droht Landwirten nun mit Sanktionen, anstatt sie im Umgang mit dem Wolf zu unterstützen. Der Ärger ist vorprogrammiert.
  • Mike Höpfner
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Stendal. „Niedergeschmettert. “ So beschreibt Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Stendaler Kreisbauernverbandes (KBV), ihre Reaktion auf ein Antwortschreiben des Umweltministeriums.

Vorausgegangen war dem ein Fragenkatalog des Verbandes, indem der künftige Umgang mit dem Wolf im Landkreis geregelt werden sollte. „Die Antwort stimmt mich enorm unzufrieden. Ich war richtig erschüttert. Und darauf haben wir acht Wochen gewartet“, sagt Kerstin Ramminger.

Kerstin Ramminger.

Es gehe weder ihr noch anderen Mitgliedern darum, alle Wölfe zu töten. „Wir sind nicht gegen den Wolf“, sagt die Geschäftsführerin überzeugt, „der Verband möchte lediglich, dass der Wolf etwas zurückgedrängt wird. Er gehört nicht in die Städte.“ Unter anderem fragte der Verband das Ministerium daher, wie ein Vergrämen des Tieres in Sachsen-Anhalt vollzogen wird. „Schon stromführende Litzen einer Weideumzäunung können als Vergrämungsmaßnahme gelten, da die Stromschläge entsprechende Wirkungen entfalten“, so geht es aus dem Schreiben hervor, welches Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert unterzeichnet hat. Eine mit Waffen ausgerüstete „Eingreiftruppe“ ist „eine kaum sinnvolle Lösung“, so die Politik. „Wir wollen auch gar keine Eingreiftruppe, aber es muss doch was gemacht werden. Offenbar gibt es keine funktionierenden Vergrämungsmaßnahmen, was uns schon vorher klar war“, so Ramminger. Doch der Abschnitt, über den sich Ramminger und KBV-Vorstand André Stallbaum besonders ärgern, folgt einen Absatz weiter.

Frage: Besteht der politische Wille, Haushaltsmittel für Rissentschädigungen aufzustocken? Die Antwort des Ministeriums: Voraussetzung für eine Entschädigung ist ein entsprechender vorsorglicher Schutz gegen Wolfsübergriffe – ein Teil des Tierschutzgesetzes. „Verstöße gegen diese Anforderungen können im Rahmen der Cross-Compliance-Vorschriften sanktioniert werden“, schreibt das Ministerium. Im Klartext heißt das: Es gibt nicht nur keine geplante Entschädigung, wenn Landwirten ein Tier gerissen wird. Vielmehr werden die Landwirte zur Kasse gebeten und derart für den Wolfsriss verantwortlich gemacht, dass ihnen zwischen 15 und 100 Prozent der EU-Betriebsprämie gestrichen werden können. „Das sind mittlere bis hohe fünfstellige Beträge. Die bringen den Landwirt an den Rand der Existenz“, sagt André Stallbaum. Gibt es denn Landesförderung für speziellen Schutz gegen Wölfe? Das Ministerium: „Diese Aufgaben zählen zu den täglichen normalen Aufgaben in den entsprechenden Tierhaltungsformen. Sie finden mit und ohne Wolfsvorkommen im Gebiet statt.“ Stallbaum ist entsetzt. „Es läuft darauf hinaus, dass erst etwas passieren muss“, so der KBV-Vorstand, „wir werden uns das nicht gefallen lassen.“ Nun soll mit Betroffenen eine Allianz gebildet werden.

Von Mike Höpfner

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