Feuertaufe für Führungsduo: Millionenbau in Tierheim verzögert sich weiter

Hundehaus-Projekt an langer Leine

Jack hat in diesem Moment nur Augen für eine Tierpflegerin, die hinter dem Fotografen steht. Anne Mollenhauer (l.) und Susanne Wieske verteilen an einer Ecke des alten Hundehauses großzügig Streicheleinheiten. Bei Jack handelt es sich übrigens um eine Sicherstellung, der junge Hund steht zurzeit noch nicht zur Vermittlung.
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Jack hat in diesem Moment nur Augen für eine Tierpflegerin, die hinter dem Fotografen steht. Anne Mollenhauer (l.) und Susanne Wieske verteilen an einer Ecke des alten Hundehauses großzügig Streicheleinheiten. Bei Jack handelt es sich übrigens um eine Sicherstellung, der junge Hund steht zurzeit noch nicht zur Vermittlung.

Borstel – Mensch und Tier haben sich an diesem Tag bereits gesehen. Die Freude ist aufs Neue groß. Jack, allenfalls wenige Monate alt, stellt sich auf, die Vorderpfoten an den Zaun gelehnt. Susanne Wieske verteilt durch die Maschen hindurch Streicheleinheiten.

„Ein Schäferhund? Das könnte sehr gut sein. “ Noch sieht der kleine Kerl wie ein leicht wilder Mix aus. Der Vorsitzenden des Altmärkischen Tierschutzvereins Kreis Stendal ist dies letzten Endes sowieso völlig egal. Er und andere Schützlinge sollen endlich eine moderne Unterkunft bekommen, ein Hundehaus. Nach jahrelangem Hin und Her sah es für diesen Frühling richtig gut aus. Doch Pustekuchen. Das lang ersehnte Hundehaus braucht doch noch mehr Zeit.

„Eigentlich sollten die Bauarbeiter hier jetzt schon buddeln“, sagt die Tangermünderin der AZ und deutet in Richtung der alten Großunterkunft. Die Gründe für die weitere Verzögerung scheinen durchaus vielfältig. Das Tierheim in Borstel ist seit Mitte März wegen Corona geschlossen, sicherlich. Auch müssen geeignete Firmen gefunden sein, wobei viele längst und trotz der allgemeinen Krise volle Auftragsbücher haben. Das Projekt soll in drei Bauabschnitten umgesetzt werden. Ein Förderbescheid des Landes liegt seit Herbst vor. Vereinschefin und Anne Mollenhauer, die neue Tierheimleiterin, wollen nun noch einmal über alle Unterlagen schauen. Eine Feuertaufe für das Führungsduo.

Mehr als eine Million Euro sollen in der Stendaler Ortschaft investiert werden. Verein und Tierheim profitieren nicht zuletzt vom Leader-Programm. Die zuständigen Behörden seien involviert und stellten sich nicht quer, im Gegenteil, die Einheits- und Verbandsgemeinden zögen mit. Zumindest die erste Etappe soll in diesem Jahr noch unbedingt gelingen. Wieske zeigt sich zuversichtlich. Zumal der alte Hundetrakt, ein früherer Schweinestall, immer weniger den modernen Anforderungen entspreche. Der gesamte Komplex aus DDR-Zeiten soll abgerissen und durch einen größeren Neubau in L-Form ersetzt werden. „Wir wollen uns einfach für die Zukunft spürbar besser aufstellen“, unterstreicht Wieske.

Mit dem neuen Hundehaus sollen sich die Arbeitsbedingungen ein ordentliches Stück weit verbessern. Und natürlich: Die Vierbeiner bekommen schlichtweg mehr Platz. Nicht alle Hunde können auch einfach so raus in die Ausläufe. Nicht alle Rassen seien für ein höheres Maß an Wind und Wetter gemacht, gerade das Fell am Unterleib falle entsprechend dünn aus. Und natürlich ist so manches Sorgenkind das alte warme Zuhause gewöhnt. Fundtiere aus acht der neun Gemeinden im Landkreis Stendal landen in der Einrichtung, allein Seehausen hat einen Vertrag mit dem Tierheim in Wittenberge. Zurzeit sind in Borstel 30 Hunde untergebracht und dazu mehr als 30 Katzen.

Der Altmärkische Tierschutzverein, laut Internetauftritt 1990 gegründet, ist Träger des Tierheimes. Wieske engagiert sich seit etlichen Jahren im Tierschutz und hat den Vorsitz im Mai vergangenen Jahres übernommen. Der Zusammenschluss zähle ganz aktuell genau 200 Mitglieder. Zusätzliche Mitstreiter seien gern gesehen, auch jüngere, der Altersdurchschnitt liege locker bei über 60. Eine Jugendgruppe ist im Spätsommer 2019 aus der Taufe gehoben worden. 16 Mädchen und Jungen sind darin organisiert, sie sind zwischen zehn und 18 Jahre, mitunter auch etwas älter. Ihre Arbeit ruht momentan wegen der Coronabestimmungen. Anne Mollenhauer ist seit Monatsbeginn die Leiterin des Tierheimes (die AZ berichtete).

VON MARCO HERTZFELD  

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