Gassigängerin zielt auf Jäger

Hundefreundin verurteilt Schüsse ausgerechnet am Borsteler Tierheim

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Achtung Jagd! Ein Jäger befestigt in Nordrhein-Westfalen ein Warnschild.

Stendal – Christa Rutt sieht ein „Geballer um die Mittagszeit“ und kann es überhaupt nicht verstehen, dass Jäger ausgerechnet nahe dem Tierheim in Borstel Wild ins Visier nehmen. An den 12. Januar, einen Sonnabend, kann sich die Pareyerin noch gut erinnern.

„Es waren sehr viele Gassigänger des Heims da, die ihren vierbeinigen Freund ausführen wollten, so auch ich.“ Die Freude habe nicht lange gewährt. „Das laute Geschrei der Treiber ließ auch den hart gesottenen Hund irgendwann in Schock erstarren“, schimpft sie.

Aufgescheuchtes Wild sei handbreit an den Hundefreunden vorbei geschossen. Immer wieder fielen Schüsse und Schreie der Tiere seien zu hören gewesen. Und überhaupt: „Ich finde es verantwortungslos und egoistisch, den armen Geschöpfen des Tierheims gegenüber, die nun wirklich nicht alle Tage ausgeführt werden.“ Die Weidmänner hätten noch nicht einmal vorher über ihren Einsatz informiert, Warnschilder fehlten. Und: Wildtiere hätten auf die nahe B  189 rennen und Unfälle verursachen können.

Carsten Haag kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Auch er erinnert sich an diesen Tag, nur anders. Mit zehn Mann sei er in seinem Revier unterwegs gewesen. „Wir waren mit Sicherheit, mindestens 500 oder gar 600 Meter weit vom Tierheim entfernt und haben mit Schrot geschossen“, sagt er der AZ. Abgesehen hatten sie es vor allem auf Fasan, aber auch Ente, Fuchs und Waschbär, allesamt Niederwild. Hege und Pflege der Kulturlandschaft seien wichtig und sie hätten wie immer nur ihre Aufgabe erfüllt.

Bislang habe es auch noch keine großartigen Beschwerden von Gassigängern gegeben. Wobei Haag den Ball auch gern zurückspielen will: „Wer Hunde ausführt, sollte auf den Wegen bleiben und nicht querfeldein rennen. Wenn ich im Dunkeln auf dem Hochsitz bin, beobachte ich mitunter Leute, die mit Taschenlampe durch den Busch trampeln.“ Rutts Protest hat die AZ über den Tierschutzverein Nördliches Sachsen-Anhalt mit Sitz in Elbe-Paray erreicht. Träger des Borsteler Tierheims ist der Altmärkische Tierschutzverein.

Siegfried Holzinger, Sprecher der Jägerschaft Stendal, überlegt, ob die Tierheimfreundin vielleicht auch eine andere und größere Jagd meinen könnte. Aber egal, Haag habe sich auf jeden Fall an die Spielregeln gehalten. Eine Jagd müsse keineswegs angemeldet werden, Warnschilder würden nur bei viel größeren Einladungen aufgestellt. „Jäger sind verantwortungsbewusst genug und achten penibel auf die Abstände zu Wohnhäusern und Einrichtungen“, ist der Uenglinger im Gespräch mit der AZ fest überzeugt.

„Gesellschaftsjagden müssen nicht angemeldet werden und sind innerhalb der Jagdzeiten, also auch an Wochenenden erlaubt“, unterstreicht Landkreissprecherin Angela Vogel. Als Gesellschaftsjagd gelte jede Jagdform, bei der mindestens drei oder vier Personen gemeinsam dem Wild nachstellen. Eine weitere Form sei die Stöberjagd, bei der allein die Hunde der Jäger das Wild in Bewegung bringen. Und noch einmal: „Eine gesetzliche Vorschrift, die Informationspflichten regelt, besteht nicht.“

VON MARCO HERTZFELD

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