Horst Tappert, der Mitglied der Waffen-SS gewesen sein soll, begann seine Karriere in der Hansestadt

Stendal – Sprungbrett für „Derrick“

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In James-Bond-Pose: Horst Tappert, der mehr als ein Jahr am Stendaler Theater arbeitete.

Stendal. Seine Spur in der Altmark beginnt 1945. In Seehausen verbringt er als Kriegsgefangener einige Monate und arbeitet in Landwirtschaft. Durch einen Zufall kommt er zum Stendaler Theater, an dem seine Schauspielerkarriere beginnt: Horst Tappert, der vier Jahre nach seinem Tod erneut in den Schlagzeilen ist. Denn er soll während der Nazi-Zeit Mitglied der Waffen-SS gewesen sein, und als Soldat des Panzergrenadierregiments 1 „Totenkopf“ vermutlich an der Ostfront gedient haben.

Er war der berühmteste Polizei-Oberinspektor Deutschlands, obwohl es diesen Dienstgrad in der Bundesrepublik nie gab. Nun ist Horst Tappert (geboren 1923 in Wuppertal-Elberfeld), alias Stefan Derrick, selbst zum „Kriminalfall“ geworden. Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, wird spätestens im dritten Akt geschossen. Diese alte Theaterweisheit sorgt für Spannung in jedem Krimi. Mit einer Aufklärungsquote von 99 Prozent löste Tappert als Oberinspektor Stefan Derrick 30 Jahre lang in 281 Folgen Fall um Fall bei der Münchner Mordkommission. Doch Tapperts Karriere startete nicht an der Isar, sondern an der Uchte. Selbst in Japan avancierte der Mann mit den Tränensäcken zum beliebten TV-Star.

Jahrzehnte später erinnert sich der 2008 verstorbene Schauspieler, wie alles begann: „1945 war ich als Kriegsgefangener in Seehausen/Altmark interniert, musste bei einer Familie in Packebusch in der Landwirtschaft arbeiten. Der Rest: purer Zufall! Bei einem Besuch in Stendal erfuhr ich, dass das Theater wieder aufmacht. Irgendetwas gibt es für dich als gelernten Im- und Exportkaufmann dort sicher in der Buchhaltung zu tun, dachte ich und rannte sofort los. Statt an den Verwaltungsdirektor, geriet ich an den künstlerischen Leiter, der mich fragte, ob ich nicht lieber Schauspieler werden will. In meinem jugendlichen Leichtsinn sagte ich zu.“ Die Bedingungen waren äußerst bescheiden. „Ich bekam 120 Mark monatlich, in einer Zeit, in der eine einzige Zigarette zwölf Mark kostete“, sagte Tappert weiter. „Wir wohnten alle zusammen in einem alten Kaufhaus, schliefen zu dritt im Zimmer. Trotzdem herrschte eine tolle Atmosphäre und das wundervolle Publikum machte mir Mut.“

Mehr als ein Jahr lang stand Tappert in Stendal auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuteten. Dann kam ein neuer Intendant, mit dem er sich nicht verstand. Er kündigte und ging Anfang 1947 nach Köthen, wechselte später nach Tübingen. „Mit dem Handwagen bin ich über die damals noch grüne Grenze getürmt.“ Die Anfangsjahre prägten den Schauspieler. „Ohne die schöne Zeit in Stendal wäre ich sicherlich in meinen alten Beruf zurückgegangen“, sagte Horst Tappert in einem Interview kurz vor seinem Tod. Er starb als gefeierter Star, der mit der Serie „Derrick“ weltberühmt geworden war. Die Kriegsjahre hatte er stets ausgeblendet. Das Geheimnis um seine SS-Vergangenheit nahm er mit ins Grab.

Von Christian Wohlt und Arno Zähringer

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