Nässe bereitet Probleme

Hoher Grundwasserpegel in Stendal erschwert Bahnhofssanierung

Damit die Bauarbeiter keine nassen Füße bekommen, haben die Verantwortlichen der Deutschen Bahn verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Eine davon ist eine Wand aus Bohrpfählen am Rande der Baugruben.
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Damit die Bauarbeiter keine nassen Füße bekommen, haben die Verantwortlichen der Deutschen Bahn verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Eine davon ist eine Wand aus Bohrpfählen am Rande der Baugruben.

Stendal – Dass der Umbau des Stendaler Bahnhofes kein Pappenstil wird, war den Verantwortlichen der Deutschen Bahn (DB) schon vor dem Baustart im Juni klar.

Bereits in den ersten Wochen habe man mit „extremen Herausforderungen“ zu kämpfen gehabt, berichtete kürzlich Jeannette Winter, DB-Regionalbereichsleitern Südost.

Das wohl größte Problem dürfte der hohe Grundwasserpegel sein, der Baumaßnahmen in der Region regelmäßig Schwierigkeiten bereitet. Bei der Sanierung des Bahnhofs betrifft dies unter anderem die Arbeiten an den Fußgängertunneln. Denn diese müssen völlig wasserdicht sein, da sie sonst nach und nach mit Wasser volllaufen würden.

„Die Grundwasserproblematik ist bei der Baumaßnahme berücksichtigt“, kann Dipl.-Ing. Jörg Bönisch vom DB-Regionalbüro Kommunikation beruhigen. Dem werde durch verschiedene Maßnahmen konstruktiv entgegengewirkt: So werde die Personenunterführung mit wasserundurchlässigem Beton gebaut. Vor Wasser geschützt wird dieser zusätzlich durch eine außenliegende Abdichtung. In der offenen Baugrube sorgen verschiedene Maßnahmen für trockene Füße der Bauarbeiter. Auch habe man mit einer Bohrpfahlwand für eine wasserdichte Baugrubenumschließung gesorgt, die an die nächste abdichtende Bodenschicht eingebunden ist, erklärt Bönisch gegenüber der AZ.

„Der vom Bodengutachter als höchster anzunehmender Grundwasserstand prognostizierte Wert liegt etwa in Höhe der Tunneldecke“, sagt der Experte – also rund drei Meter über der Tunnelsohle. Die Konstruktionen zum Schutz vor Grundwasser seien diesem Wert angepasst. Und darüber hinaus: „Mit seiner Angabe geht der Gutachter immer auf Nummer sicher, indem er auf die gemessenen Werte einen ordentlichen Zuschlag drauflegt“, erklärt Bönisch. Normalerweise wird der anstehende Grundwasserspiegel über die Jahreszeiten und wechselnden Witterungen betrachtet also deutlich niedriger ausfallen als vom Gutachter angegeben.

Laut Plan soll die Sanierung des Bahnhofes im Jahr 2021 abgeschlossen sein. Ob der Termin eingehalten werden kann, steht aber derzeit noch in den Sternen. Jeannette Winter hatte bei dem offiziellen Baustart mit Verkehrsminister Thomas Webel gesagt, es sei „nicht davon auszugehen, dass alles wie geschmiert“ laufe, da es sich um eine extrem anspruchsvolle Baumaßnahme handele. Im Fokus der Modernisierung steht die längst überfällige Herstellung von Barrierefreiheit, etwa durch Aufzüge, mit denen Reisende die Bahnsteige 2,3,4 und 5 erreichen können. Mit einem frisch sanierten Bahnhof will man vor allem auch für den Sachsen-Anhalt-Tag gewappnet sein, der 2022 von der Rolandstadt ausgerichtet wird.

Das Land Sachsen-Anhalt und die Deutsche Bahn investieren rund 20 Millionen Euro in neue Bahnsteige, den Personentunnel und Aufzüge am Stendaler Standort.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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