Dompteur spricht vor Knie-Gastspiel über Tierschutz, Tod und Tradition

In der Höhle des Löwen: „Angst habe ich nicht“

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Vor dem Auftritt in Stendal: Alexander Lacey putzt einen seiner Schützlinge heraus. 

Stendal. Nur wenige Menschen kommen diesen Tieren so nah. Alexander Lacey arbeitet in der Manege mit Löwen und Tigern. Der gebürtige Brite gilt als einer der besten Tiertrainer Europas. Beim Zirkusfestival in Monte Carlo gewann er einen Silbernen Clown.

Nach einem mehrjährigen Engagement in den USA kehrte der Dompteur erst unlängst zurück. . Wenn Zirkus „Charles Knie“ ab heute in Stendal seine Zelte aufschlägt, leben für kurze Zeit große Katzen in der Stadt. Die Raubtiernummer des 42-Jährigen gehört zu den Höhepunkten des Programms. Für Sonnabend bis Montag sind sechs Veranstaltungen geplant. Die AZ hat Lacey befragt.

Interview

Im Deutschen gibt es mehr als 20 Redewendungen, in denen der Löwe eine Rolle spielt. Wie viel Angst darf sein, wenn Sie die Höhle des Löwen betreten?

Angst habe ich nicht, denn ich kenne meine Tiere sehr genau. Ich verbringe viel Zeit mit ihnen, und kann deshalb jede Situation sehr gut einschätzen. Sie arbeiten zudem nur, wenn sie auch Lust haben.

Worin liegt der Reiz einer gemischten Raubtiergruppe? In freier Wildbahn begegnen sich beide Arten ja eher nicht.

Ich lebe mein ganzes Leben schon mit Löwen und Tigern zusammen, und es ist einfach meine große Leidenschaft. Für mich ist die Freundschaft zu den Tieren sehr wichtig. Löwen und Tiger sind durchaus sehr unterschiedlich, aber darin liegt der besondere Reiz, diese beiden Arten zu einer harmonischen Gruppe zusammenzuführen.

Sie gelten als einer der besten Raubtierlehrer Europas. Was machen Sie anders als andere?

Natürlich kann ich nicht über andere Raubtierlehrer sprechen. Für mich ist es einfach wichtig, dass die Tiere im Vordergrund stehen und ich mich selbst so weit wie möglich zurückhalte.

Sie haben bereits weltweit und bei renommierten Zirkusunternehmen gearbeitet. Fast auf den Monat genau vor einem Jahr brach auf einem Transport durch die USA ein Tiger aus und wurde von der Polizei erschossen. Inwieweit hat das Ihre Arbeit verändert?

Mit dem Transport der Tiere war eine Spezialfirma für Tiertransporte beauftragt. Ich selbst habe den Transport natürlich begleitet. Während einer Pause war ich ungefähr eine Stunde nicht anwesend, da ist der Tiger entwichen. Die Polizei untersucht den Fall bis heute. Ich habe zusätzlich Privatdetektive beauftragt. Eine abschließende Beurteilung steht aber noch aus.

Tierschützer laufen gegen Wildtiere in der Manege immer wieder Sturm. Was halten Sie ihnen entgegen?

Wichtig ist es, dass sich die Kritiker Zeit nehmen, mit uns zu sprechen und vor allem alles mit eigenen Augen sehen. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass nur wenige Lust haben, sich mit dem Thema wirklich konkret zu beschäftigen.

Für traditionelle Zirkusfans gehören Raubtiere einfach dazu. Inwieweit könnte das gesellschaftliche Klima irgendwann derart kippen, dass ein generelles Wildtierverbot erlassen wird?

Ich wäre wirklich sehr traurig, wenn es sich so für Zirkusse, Zoos und Freizeitparks entwickeln würde, und glaube es ehrlich gesagt auch nicht. Meine Familie hat in den letzten 15 Jahren mehr als 500 Raubkatzen gezüchtet mit unterschiedlichen Blutlinien in verschiedenen Gruppen. Und wir können auch noch weitere 15 Jahre züchten, ohne Hilfe von außen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung. Tiere, die im Zirkus leben, sind gesund, ausgeglichen und aufmerksam. Den Argumenten von Tierschützern fehlt es eigentlich immer an Wissen und Fakten.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist die Zirkuskunst in Deutschland eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit. Es gibt keine Subventionen oder gar einen eigenen Fördertopf. Wie stark ist ein Zirkus auf exotische Tiere schlichtweg angewiesen?

Ein gutes Zirkusprogramm hat mehrere Facetten: Tiere, Artisten und Clowns. Wenn man damit beginnt, den einen oder anderen Baustein wegzulassen, erreicht man natürlich nicht mehr diejenigen, die sich gerade dafür interessieren. Ohne Tiere verliert der Zirkus ganz klar Publikum.

Es gibt außergewöhnliche Aufnahmen von Ihnen, auf einer stecken Sie Ihren Kopf in den Rachen eines Löwen. Die Frage muss einfach sein: Wie heiß und vielleicht auch übel riechend ist der Atem einer Großkatze?

Löwen schwitzen und hecheln wie Hunde. Im Winter ist das okay, aber im Sommer ist es ein Problem. Die Zunge des Löwen ist ziemlich rau und drückt dann bei diesem Trick immer gegen meine Wange, die deshalb immer sehr errötet war. Schlechten Atem hat ein Löwe eigentlich nicht, nur manchmal rülpst er dabei.

Ostern ist in diesem Jahr auch Zirkuszeit. Worauf darf sich das Publikum in Stendal denn freuen?

Der Zirkus Charles Knie gehört zu den Top-Adressen der europäischen Zirkusszene. Das Programm ist erstklassig. Hier arbeiten nur die Besten – ich kann es jedem nur empfehlen.

Von Marco Hertzfeld

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