Ein höchst vergnüglicher Komödienabend

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Alexa Wilzek und Bernd Marquardt gehörten zu den Akteuren bei der Premiere auf der Rangbühne des Theaters der Altmark.ltmark

hh Stendal. Anton Tschechow hat um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert für die russische Dramatik Bleibendes geschaffen. Seine Dramenfiguren sind typische Vertreter des Landes. Gutsbesitzer, aufkommende Bourgeois und skurrile Typen aus dem Alltag seiner Umgebung. Im Theater der Altmark sind seit Freitag auf der intimen Rangbühne klassische Einakter von ihm zu sehen, die alle eben jene Menschen beschreiben, denen Tschechow begegnete.

Da ist der ausgemusterte Grenadieroffizier Georgij Stepanowitsch Smirnow, genannt „der Bär“, den die Schuldzinsen plagen, die er zahlen muss. Von seinen Schuldnern aber wurde er bisher immer abgewiesen. Letzte Hoffnung: Die Witwe Jelena Iwanowna Popowa. Auch bei ihr beißt er zunächst auf Granit. Sie streiten bis „aufs Blut“ und Duellbereitschaft. Und es kommt ganz anders: Die große Liebe überfällt den „Bären“, ein inniger Kuss beendet die Fehde. Alles Andere ist eigentlich unnötige Zugabe der Inszenierung.

Alexa Wilzek gibt eine eigensinnige Witwe, die ihrem verstorbenen untreuen Mann bis in ihren Tod hinein treu bleiben will. Der überfallähnliche Angriff des „Bären“ André Vetters bringt sie aus ihrer Distanziertheit. Die Wut beider aufeinander ist genau so voller Spannung wie ihre aufkeimende Zuneigung. Genau gezeichnet und überzeugend auf die Szene gebracht.

Auch André Vetters‘ eigentlich vorgesehener Vortrag „Vom Schaden des Tabaks“, den er als „Vogelscheuche“ seiner herrschsüchtigen Frau halten muss, gerät fast ins Groteske durch die Regie von Rosmarie Vogtenhuber.

Schließlich steht mit Bernd Marquardt ein vierschrötiger Gutsbesitzer Stepan Stepanowitsch Tschubukow auf dem Podium. Um seine Tochter Natalja Stepanowna (Alexa Wilzek) wirbt Iwan Wassiljewitsch Lomow (Michel Haebler) ungelenk, verschämt, obgleich auch er begüterter Nachbar der Tschubukows ist.

Alexa Wilzek, eben noch hochgeschlossene, trauernde dann liebende Witwe ist hier ein derb dralles Gutsbesitzerkind, das eigentlich sehnlich wünscht, geheiratet zu werden. Schön und gut, der Werber ist ja nun da, wären da nicht die „Ochsenwiesen“ zwischen beiden Grundstücken, um die erbitterter Streit ausbricht. Vater kann mühselig schlichten. Beide werden doch noch ein Paar. Aber die Hunde Otkaday und Ugaday, in Besitz der einen und anderen Familie sind alsbald neues Streitobjekt. Besser – schlechter- besser – schlechter usw. kreischt sich das Rededuell dem Ende entgegen.

Genau beobachtet und in Szene gesetzt. Eine Freude und weitere Perle des vergnüglichen Komödienabends.

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