Ohne Kooperation Risiko ab Wintersemester

Hochschule Stendal muss Uni ins Boot holen: Reha-Studiengang in Gefahr

Ein neues Gesetz bedroht einen Teil der Stendaler Hochschule: 2005 sammelten Studenten wie Katja Seidel für das zweite Lehrgebäude noch Geld im Internet.
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Ein neues Gesetz bedroht einen Teil der Stendaler Hochschule: 2005 sammelten Studenten wie Katja Seidel für das zweite Lehrgebäude noch Geld im Internet.

Stendal – In Gefahr ist der Studiengang „Rehabilitationspsychologie“ in der Kreisstadt. Ohne Kooperation mit einer Universität könne er ab dem nächsten Wintersemester 2020/2021 nicht mehr an der Hochschule Stendal angeboten werden, erklärt Bildungsministeriums-Pressereferent Robin Baake auf Anfrage der AZ.

Die Magdeburger Aufsichtsbehörde habe sich für die Hochschulstandorte eingesetzt – „leider“ aber „ohne Erfolg“. Grund für die Gefährdung ist ein Erlass zum neuen Psychotherapeutengesetz (AZ berichtete).

Damit sollen sogenannte „nachhaltige Änderungen“ bei der Ausbildung von Psychotherapeuten eingeführt werden. Dieses Vorgehen wird damit begründet, dass Rahmenregelungen der Länder für verschiedene Studiengänge mit Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse entfallen seien. Eine bundesweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse soll wieder ermöglicht werden. Außerdem habe sich die Psychotherapie auf wissenschaftlicher wie praktischer Ebene seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes „erheblich verändert“ und „weiterentwickelt“, heißt es weiter.

Der Studiengang werde vorerst aufrechterhalten. Für die Zukunft sei eine Kooperation mit einer Universität notwendig, betont Baake. Gespräche dafür seien vom Ministerium angestoßen worden. Ohne Kooperation werde der Studiengang „Rehabilitationspsychologie“ zumindest für das Berufsziel „Psychotherapie“ am Standort Stendal „allmählich auslaufen“. Dies seien 50 bis 60 Studenten jährlich. Die Hälfte dieser Studenten habe eine Zulassung zum Psychotherapeuten angestrebt. Das Ministerium strebe die Fortsetzung der Ausbildung unter Nutzung der „vorhandenen Kompetenzen“ am Standort Stendal an, so Baake weiter.

Der Studiengang existiert in der Ostaltmark bereits seit Gründung der Hochschule im Jahr 1999. Er stellte seinerzeit ein Novum dar, weil das Fach bis dahin lediglich als Spezialisierung innerhalb universitärer Studiengänge gelehrt worden sei. Der eigenständige Hochschulstudiengang in Stendal galt 1999 als einzigartig. Er wurde eingeführt, weil die universitäre Psychologieausbildung vielfach an Praxis- und Anwendungsbezug gemangelt habe. Bis 2009 hatten in der Kreisstadt mehr als 500 Studenten ihr Rehabilitationspsychologie-Studium erfolgreich beendet. 91 Prozent der Absolventen waren weiblich und kamen aus Ostdeutschland (76 Prozent), listet eine Statistik auf. Zwei Drittel verfügten über eine abgeschlossene Berufsausbildung.

VON SIMON GERSTNER

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