Rathaus winkt nicht ab

Hochschule macht der Hanse Dampf: Neuer Namenszusatz für Stendal durchaus möglich

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An der Osterburger Straße weist ein Schild den Weg zum altmärkischen Hochschulstandort. Im Hintergrund ist der Campus in Stendal bereits zu sehen.

Stendal – Mit seiner Vision, aus Stendal auch im Namen eine Hochschulstadt zu machen, rennt Prorektor Prof. Dr. Volker Wiedemer vielleicht nicht überall offene Türen ein. Die Stadt schlägt die Tür jedenfalls nicht krachend zu.

Dafür scheint der Standort der Hochschule Magdeburg-Stendal auch einfach zu wichtig. Rathaussprecher Armin Fischbach verweist auf Nachfrage der AZ allerdings auf ein nicht unerhebliches Prozedere bei einem solchen Vorhaben. Und: Die Altmark-Metropole hat ja bereits einen Namenszusatz, heißt offiziell Hansestadt Stendal.

Der Titel „Hansestadt“ wirke sich gerade in touristischer Hinsicht sehr positiv aus. Mit diesem Verweis auf die Mitgliedschaft im historischen Bund von Kaufleuten und Handelsstädten fühlten sich nun einmal besonders geschichtsinteressierte Menschen angesprochen. Stendal könne dadurch stärker mit seinen Sehenswürdigkeiten punkten. „Die Aufnahme des Zusatzes Hochschulstadt in den Namen könnte durchaus ähnliche positive Effekte für die Hochschule und die Stadt erzielen“, schätzt Fischbach ein.

Auf den Ortsschildern hätten auch beide Titel Platz. Auch wenn die Stadtverwaltung alles andere als abwinkt, müsste einiges bewegt werden. Die Kommunalaufsichtsbehörde kann auf Antrag den Namen einer Gemeinde ändern, so steht es im Landesgesetz. Zuvor sind unbedingt die Bürger anzuhören. Fischbach erinnert ans damalige Prozedere: Nach einem Stadtratsbeschluss Ende 2007 führt Stendal den Zusatz Hansestadt. Richtig wirksam wurde er dann durch einen Bürgerentscheid 2009 und einen entsprechenden Antrag.

Prof. Dr. Wiedemer wünscht sich ein stärkeres und sichtbareres Bekenntnis zur Hochschule und hatte in der AZ von Vorteil eines solchen Namenszusatzes gesprochen. Der Titel Hochschulstadt weise in die Zukunft und verlasse sich nicht allein auf eine ziemlich große Vergangenheit. Fakt sei nun einmal: Städte, die eine Hochschule vorweisen können, entwickeln sich besser. Stendal sollte das Potenzial noch besser nutzen. Der gebürtige Baden-Württemberg erhofft sich eine regelrechte gemeinsame Marketingoffensive.

In letzter Zeit habe es keine direkten Kontakte mit der Hochschule in dieser Hinsicht gegeben, weiß Fischbach. Ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und Prof. Dr. Wiedemer, seit April 2018 Prorektor in Stendal, stehe jedoch auf dem Plan. „Wir hoffen, auf diesem Weg weitere geeignete Vorschläge zu erörtern, wie wir für den Hochschulstandort werben können.“ Unabhängig davon stünde man schon für verschiedenste Projekte im ständigen Austausch und könne auf den Förderverein stolz sein.

Dass der Weg zur Hochschule schwer zu finden sei, will der Rathaussprecher dem Professor im Übrigen nicht einfach so unterschreiben. „In sämtlichen Einfallstraßen bis zur Hochschule weisen wir auf diese hin.“ Insgesamt gebe es elf Wegweiser, unter anderem an der Arneburger Straße, dem Alten Dorf, der Magdeburger und der Osterburger Straße. „Erfahrungsgemäß führt eine Überfrachtung mit unterschiedlichen Zielschildern an jeder Zweigung eher zu mehr Verwirrung als zu weniger, gerade für Ortsunkundige.“

Die Hochschule habe einen hohen Stellenwert, lässt der Stadtsprecher gegenüber der AZ erst gar keine Zweifel aufkommen. Einheimische können quasi vor der Haustür höhere Bildungsabschlüsse erlangen und brauchen nicht in die nächste Großstadt ziehen. Umgekehrt kommen Menschen aus der gesamten Republik in die Altmark. „Auch wenn viele Absolventen der Hansestadt Stendal schlussendlich wieder den Rücken kehren, werden einige hier ihre Heimat finden und uns erhalten bleiben.“

VON MARCO HERTZFELD  

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