„Operation Eisregen“: Luftlandeübung des 373. Fallschirmjägerbataillons

Ein Himmel voller Pilze

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Klietz. Montag Morgen, 9.58 Uhr. Skeptisch schaut Hauptmann Rainer Grimm in den azurblauen Himmel. „Ist es zu böig wird nicht gesprungen“, weiß der Presseoffizier, der die Übung des Fallschirmjäger Bataillons 373 aus Seedorf (Niedersachsen) betreut.

Es weht recht kräftig über dem Klietzer Truppenübungsplatz an diesem Morgen. Doch dann nähert sich ein zunächst kaum merkliches Summen. „Sie kommen!“

Fotostrecke von der Übung

Fallschirmjäger über der Altmark

Drei Transall C160 Maschinen, vor knapp einer Stunde am Standort Wunstorf gestartet, gleiten in gebührendem Abstand voneinander im Tiefflug fast langsam heran. Über dem Absprunggebiet beträgt die Geschwindigkeit, der bis zu 250 Stundenkilometer schnellen Maschinen, nur noch knapp 120 Kilometer pro Stunde. In zirka 400 Metern Höhe öffnet sich ihr Bauch. Wenig später scheint es, als hinge der Himmel voller Pilze. Insgesamt 600 Fallschirme mit Menschen und Material gleiten an diesem Tag in mehreren Sprungwellen herab. In knapp 90 Sekunden ist der Boden erreicht.

Ein schöner Anblick, fast zum Genießen – wäre da nicht der bitter ernste Hintergrund der Aktion. In der Übung mit der Bezeichnung „Eisregen“ geht es darum, vermeintliche Terroristenlager hinter den feindlichen Linien zu finden und auszuschalten. Die Fallschirmjäger bilden zunächst einen Brückenkopf und gehen von dort aus gegen die „irregulären Kräfte“ vor. Ein weiteres Ziel: deutsche Staatsbürger auffinden und evakuieren.

Ein Szenario, wie es tagtäglich vorkommen kann in Afghanistan und anderswo auf der Welt, die ja inzwischen fast komplett zum potenziellen Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört. Der Frieden wird von deutschen Soldaten längst nicht mehr nur zu Hause oder am Hindukusch verteidigt. So waren die „373-er“ an der Operation „Pegasus“, bei der vor einem Jahr deutsche Staatsbürger aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Libyen ausgeflogen wurden, beteiligt, berichtet Hauptmann Grimm. Zudem nahmen Angehörige des Bataillons an Auslandseinsätzen im Kosovo in Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mazedonien und Afghanistan teil. Die aktuelle Übung ist der letzte große Leistungstest bevor die Einsatzvorbereitungen für das nächste, ISAF-Kontingent, das Anfang 2013 erneut dorthin verlegt wird, beginnen.

Knapp zwei Wochen lang ist die östliche Altmark Manövergebiet, auch für andere Einheiten, unter anderem aus den Niederlanden. Auf dem Truppenübungsplatz Klietz werden verschiedene Einsatzszenarien geprobt. Neben Luftlandeoperationen mit Flugzeugen und Hubschraubern, geht es dabei auch um Tiefflüge mit Tornado-Kampfjets. Der Stendaler Flugplatz ist als Reservestützpunkt einbezogen, falls eine Landung auf dem Feldflughafen Klietz nicht möglich ist.

Von Christian Wohlt

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