Erziehungs- und Familienberatung Stendal verzeichnet 2017 vor allem „Multiproblemlagen“

Hilfesuche in mehr als 300 Fällen

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Nicht nur in Stendal, auch in anderen Familien- und Erziehungsberatungsstellen, versuchen Fachleute, soziale, psychische oder finanzielle Probleme ihrer Klienten zu lösen. Familiäre Konflikte sind in Stendal die Hauptursache für Anmeldungen. 

Stendal. Dass es innerhalb einer Familie ab und an zu Streit kommt und immer wieder Konflikte entstehen, kennt wohl jeder Mensch. In der Regel helfen dann Gespräche und eine Portion Kompromissbereitschaft und die Sache ist erledigt.

Werden die Probleme zu groß und zu vielschichtig, sind manche Familien auf Hilfe von außen angewiesen. Dafür gibt es in Stendal die Erziehungs- und Familienberatung. Und die wird durchaus in Anspruch genommen, denn im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter insgesamt 305 Fälle betreut. Die Gründe für das Aufsuchen der Beratungsstellen in Stendal und Osterburg sind ganz unterschiedlich.

Eine große Rolle dabei spielten Konflikte auf der Elternebene, insbesondere bei Trennung und Scheidung, aber auch bei Streit innerhalb der Familie. Aber auch Kinder, die Auffälligkeiten im sozialen Verhalten zeigten, seien für besorgte Eltern einer der häufigeren Anmeldegründe in der Beratungsstelle, die auch Sprechstunden im ostelbischen Havelberg anbietet. Dies geht aus dem Jahresbericht für 2017 der Institution hervor, den Leiterin Marion Magerin mitveröffentlicht hat. Rund ein Viertel der betreuten Familien befindet sich dem Bericht zufolge in einer „Multiproblemlage“, wo sich soziale, psychische und finanzielle Probleme überlagern.

In 291 von 305 Fällen fand eine klassische Erziehungsberatung statt. Fachkräfte wie Diplom-Sozialpädagoginnen, Diplom-Psychologinnen oder auch Lehrerinnen kombinieren dabei unterschiedliche methodische Ansätze. Die Zahlen am Stendaler Standort haben sich dabei im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Von 291 Fällen haben sich 161 Klienten in der Rolandstadt beraten lassen. 2016 waren es 151 Fälle. In Osterburg verzeichnete die Beratungsstelle 92 Fälle (2016: 122). „Ein positiver Trend ist für den Standort Havelberg zu verzeichnen, wo sich die Fallzahlen mehr als verdoppelt haben“, wie aus dem Bericht hervorgeht. Waren es 2016 noch 18 Klienten, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 38.

Die durchschnittliche Dauer der Beratungen wird in sogenannten Kontakteinheiten erfasst. „Eine Kontakteinheit beinhaltet die Beratungszeit inklusive der notwendigen Vor- und Nachbereitung. Beratungszeiten von mindestens 30 bis zu 60 Minuten werden als eine Kontakteinheit erfasst.“ Für die Erziehungsberatung und die Hilfe für junge Volljährige waren im Schnitt 4,9 Kontakteinheiten, also rund zweieinhalb bis fünf Stunden notwendig.

„Belastungen durch familiäre Konflikte“ war der häufigste Anmeldegrund, darauf folgen eingeschränkte Erziehungskompetenz und Auffälligkeiten im sozialen Verhalten. Wie in den Vorjahren sind auch 2017 wieder mehr Jungen als Mädchen, 162 zu 132, vorgestellt worden. Die meisten Kinder sind zwischen sieben und zehn Jahre alt.

Wirft man einen Blick auf die Sozialstruktur, erkennt man, dass 36,4 Prozent der Ratsuchenden soziale Leistungen beziehen. Die Mehrheit von über 60 Prozent bestreitet ihren Lebensunterhalt mit Erwerbstätigkeit.

Von Mike Höpfner

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