Junge Rehabilitanden lernen Berufs-Tierpflege – deutschlandweit einmalig

Das Herz einer Löwin: „Tod gehört im Zoo dazu“

Franziska Kauffmann kümmert sich in Stendal besonders gern um kleinere Tiere wie diese Ziege. Die 19-Jährige gehört zur Truppe von Ausbilderin Karin Booke aus Tangerhütte.
+
Franziska Kauffmann kümmert sich in Stendal besonders gern um kleinere Tiere wie diese Ziege. Die 19-Jährige gehört zur Truppe von Ausbilderin Karin Booke aus Tangerhütte.

Stendal. „Natürlich geht einem das ans Herz, doch vieles wird auch nur aufgebauscht“, gibt sich Franziska Kauffmann taff.

Als die 19-Jährige vom Drama um eine junge Giraffe hörte, die unlängst in einem dänischen Zoo getötet, öffentlich zerlegt und an Löwen verfüttert wurde, berührte sie das sehr. „Wir haben aber mit unserer Ausbilderin über das Thema gesprochen, der Tod gehört nun einmal im Zoo dazu. “ Die junge Thüringerin will am liebsten ihr ganzes Leben lang mit Tieren arbeiten. In Stendal holt sie sich beim Berufsbildungswerk (BBW) Stendal das nötige Rüstzeug. Die Ausbildung für die Tierheim- und Pensionstierpflege gibt es in dieser Form in Deutschland kein zweites Mal.

Eine normale Bewerbung läuft naturgemäß ins Leere. Bei den Lehrlingen handelt es sich um Rehabilitanden, Menschen, die gewisse Handicaps haben, vor bestimmten persönlichen Herausforderungen stehen und von der Agentur für Arbeit vermittelt werden. Seit dem Start der Fachrichtung vor etwa zehn Jahren haben mehr als 100 junge Leute die Ausbildung begonnen, fast 60 haben die Prüfung erfolgreich bestanden. Und: Der überwiegende Teil davon hat auch Arbeit gefunden. Gunter Wittig, der Geschäftsführer des BBW, fühlt sich in seinen Erwartungen bestätigt. Dafür sprechen auch weitere Zahlen: Lag die Zahl der Abbrecher 2013 bei insgesamt 13 Prozent, waren es bei den Tierpflegern nur elf Prozent. Für 2012 sieht die Bilanz sogar noch besser aus. Damals schmissen 14 Prozent aller betreuten Azubis hin, bei den Tierpflegern waren es nur drei.

„Dabei ist die Ausbildung alles andere als ein Zuckerschlecken. Sie ist körperlich anstrengend und auch der Kopf wird gefordert“, weiß Ausbildungsleiterin Birgit Linße. Der Umgang mit Tieren sei auch aus therapeutischer Sicht wertvoll. Die 53-jährige Magdeburgerin: „Ein Großteil der Rehabilitanden hat psychische Beeinträchtigungen. Tiere nehmen nicht nur, sie geben einem immer etwas zurück, das hilft.“ Die 17- bis 25-Jährigen drücken die Schulbank und werden regelmäßig in der Praxis eingesetzt. „Sie säubern die Gehege, füttern, begleiten erfahrene Leute. So eine Arbeitswoche geht von Montag bis Sonntag. Denn Tiere kennen keinen Feiertag.“

Der Tiergarten Stendal und das Tierheim Borstel gehören zu den festen Partnern. „Die „Kooperation ist keine Einbahnstraße“, betont Wittig (61). Zwei herausragende Beispiele: Das BBW (Sozialverband Deutschland) hat 2008 nahe dem Tierheim ein Ausbildungsgebäude übergeben. Kostenpunkt: circa 280 000 Euro. Zudem sind 165 000 Euro in die Quarantänestation des Heimes investiert worden. Der Neubau sei landesweit richtungsweisend. Enge Beziehungen bestehen zum Wildpark Weißewarte. Auch im Katzenhaus Osterburg leisten junge Leute immer wieder Praktika. Dass hin und wieder auch ein ausgesuchter Auszubildender aus Stendal im renommierten Magdeburger Zoo dazu lernen darf, wertet das BBW als Anerkennung seiner Arbeit.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare