Herrenlose Einkaufswagen werden in Stendal-Stadtsee zum großen Problem 

„Die Mentalität ändert sich“

Herrenlose Einkaufswagen in Sperrmüllbox in Stendal-Stadtsee.
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Herrenlose Einkaufswagen in einer Sperrmüllbox in Stendal-Stadtsee.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Stendal-Stadtsee – In dem mit rund 10 000 Einwohnern größten Wohngebiet der Kreisstadt und der dort höchsten Anzahl von Discountern weit und breit sorgen verstärkt seit etwa einem Dreivierteljahr herrenlose Einkaufswagen in Massen für Ärger und Aufwand.

So würden Verantwortliche betroffener Nahversorgungsgeschäfte rund um das Altmark-Forum meist „einmal im Monat“ tätig, um falsch abgestellte Wagen wieder einzusammeln, berichtet Daniel Jircik am Montag der AZ.

Als Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), die zu den größten Vermietern der Region zählt, sieht der Verantwortliche vor allem den Gebrauch sogenannter Einkaufswagen-Entriegler als Grund für die Zunahme des Problems. „Früher wurde ein Euro reingesteckt“, inzwischen aber gebe es eine Vielzahl von Chips und anderen Lösern. Selbst die SWG habe ein derartiges Modell als Willkommensgeschenk für Neumieter angeboten. „Es liegt auch am Konsumverhalten“, verweist Jircik auf zusätzliche Arbeit für die SWG-Hausmeister. Das Problem bestehe in ganz Stadtsee, ein Schwerpunkt existiere an der Stadtseeallee im Bereich der Gagarin-Grundschule. Sollte der Aufwand künftig weiter zunehmen, müsse die Wohnungsbaugesellschaft anfallende Kosten eventuell als Reinigungsleistung auf die Nebenkosten und damit auf die Mieterschaft umlegen. „Arbeitszeit kostet nun mal Geld“, erklärt Jircik.

Rund um das Altmark-Forum in Stendal werden herrenlose Einkaufwagen zum großen Problem.

Anwohner der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße hatten die AZ eingeschaltet, weil sie sich über mehrere Dutzend Einkaufswagen wunderten, die in einer verschlossenen SWG-Sperrmüllbox an der August-Bebel-Straße eingesperrt sind. Ein Mieter vermutete im Gespräch mit der Redaktion sogar, dass die Wagen dort womöglich kostenpflichtig zwischengelagert seien, solange Umbauarbeiten im Domizil des Nahversorgers auf der gegenüberliegenden Straßenseite andauerten. Dies sei aber nicht der Fall, versichert der SWG-Chef. Es handele sich bei den in der Box abgestellten Wagen um unerwünschtes Sammelgut, das SWG-Hausmeister innerhalb von etwa vier Wochen von Hauseingängen weggeschafft hätten. Bis die Wagen von dort wieder abgeholt würden, müssten Verwaltungsmitarbeiter zunächst erst wieder diverse Telefonate mit Verantwortlichen der betroffenen Discounter führen, berichtet der Geschäftsführer. „Die Mentalität ändert sich eben“, hofft Jircik auf eine baldige Normalisierung des Problems.

Eine Sprecherin des Lebensmittelvollsortimenters Kaufland, der einen Markt im Altmark-Forum betreibt, erklärte der AZ am Montag, dass Beschäftigte regelmäßig in Stadtsee unterwegs seien, um herrenlose Einkaufswagen zurück an die Sammelstelle zu bringen. Ob die Wagen künftig mit Wegfahrsperren aufgerüstet würden, hat das Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht beantwortet. Eine entsprechende Anfrage der AZ-Redaktion läuft.

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