Havelberg: 16 Fahrzeuge angezündet

Heiße Spur schnell abgekühlt: Brandanschlag auf Bundeswehr bleibt weiterhin unaufgeklärt

+
Diese und weitere Fahrzeuge der Bundeswehr sind attackiert worden.

Stendal – Die Akten liegen nicht mehr obenauf. Auch wenn die Staatsanwaltschaft Stendal auf AZ-Anfrage betont, dass die sogenannte Strafverfolgungsverjährung voraussichtlich erst am 26. Juli 2023 endet und bis dahin jederzeit wieder Ermittlungen geführt werden können.

Im Sommer 2013 wurden in der Bundeswehrkaserne in Havelberg 16 Fahrzeuge angezündet, der Schaden liegt bei mindestens zehn Millionen Euro. Sechs Jahre nach dem Anschlag im Landkreis Stendal stehen die Behörden noch immer ohne greifbare Ergebnisse da. Der Brandanschlag ordnet sich ein in eine ganze Reihe von Fällen, die unaufgeklärt sind.

„Brandgefährliche Revoluzzer im Fadenkreuz des LKA“ titelte die AZ 2016. Fast auf den Monat genau vor drei Jahren zündeten Unbekannte vor dem Hauptbahnhof in Magdeburg mehr als ein Dutzend Fahrzeuge an, darunter etliche der Bundespolizei. Schon 2012 brannten in der Landeshauptstadt zwölf nagelneue Polizeiwagen. Es entstand ein Schaden von jeweils mehreren Hunderttausend Euro. Das Landeskriminalamt ermittelte in alle Richtungen. Dass für alle drei Anschläge Linksextremisten und vielleicht sogar ein und dieselben verantwortlich sind, hielt ein Sprecher der Behörde zumindest nicht für gänzlich ausgeschlossen.

Derartige Überlegungen möchte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stendal derzeit nicht führen, alles andere wäre reine Spekulation. Ihr Kollege in Magdeburg zeigt sich mit Blick auf die Anschläge in seinem Zuständigkeitsbereich genauso zurückhaltend. „Die polizeilichen Ermittlungen, die in alle Richtungen geführt worden sind, haben in beiden Verfahren zwar jeweils zu Tatverdächtigen geführt.“ Der Anfangsverdacht habe sich aber nie erhärten lassen. Die Ermittlungsverfahren sind allesamt eingestellt. In Deutschland kommt es immer wieder einmal zu Attacken auf Polizei, Deutsche Bahn und Bundeswehr.

In der Nacht zum 27. Juli 2013, einem Sonnabend, waren die Täter unbemerkt auf das Gelände der Elb-Havel-Kaserne gelangt. Sie platzierten ein Dutzend mit Brandbeschleunigern gefüllte Plastikflaschen unter den Fahrzeugen. Nicht zuletzt schwere Lkw und Transportpanzer vom Typ Fuchs erwischte es. Die Polizei sprach von einer bisher nie dagewesenen Art von Gewalt gegen die Bundeswehr in Sachsen-Anhalt. Weitere Anschläge konnten nicht ausgeschlossen werden, die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Deutschland wurden erhöht, im Umkreis militärischer Einrichtungen kam es zu verstärkten Kontrollen.

Ins Visier der Ermittler geriet damals schnell ein Protestcamp gut 80 Kilometer von Havelberg entfernt. Bundeswehrgegner demonstrierten just zu dieser Zeit gegen das Gefechtsübungszentrum in der Altmark. Das LKA beschlagnahmte kurz nach dem Anschlag einen Pkw auf dem Gelände der Protestler. Doch selbst diese Spur verlief ganz offensichtlich im Sand. Antimilitarismus ist schon traditionell ein Aktionsfeld von Autonomen und Linksradikalen. Darauf verweist auch der aktuelle Verfassungsschutzbericht für Sachsen-Anhalt. Hinter Havelberg steht ein dickes Fragezeichen. Kommissar Zufall könnte helfen.

VON MARCO HERTZFELD  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare